FeedSchrader (Jul. Antonio)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Schrader (Jul. Antonio), hervorragender Historien⸗ und Porträtmaler, geb. 16. Juni 1815 zu Berlin, kam im 14. Jahre auf die dortige Akademie und ging 1837 nach Düsseldorf, wo er sich unter die Leitung von Th. Hildebrandt und später unter die von W. Schadow stellte. Seine Hauptarbeiten während dieser Zeit waren: Kaiser Friedrich II. und Peter de Vineiso (vom düsseldorfer Kunstverein angekauft) und Papst Gregor VII. und Cenci. Auf der Ausstellung von 1844 in Berlin erhielt er den großen Preis für Geschichtsmalerei und ein dreijähriges Reisestipendium nach Rom, wohin er sich 1845 begab. Die Hauptleistung während seines dortigen Aufenthalts war das große Olgemälde Die Übergabe von Calais», vollendet 1847 (in der Nationalgalerie zu Berlin), ein Bild, das S. die Mitgliedschaft der Akademie zu Berlin eintrug. Es folgte: Friedrich d. Gr. nach der Schlacht bei Kollin lim Museum zu Leipzig), die Tochter Jephthas (in der Galerie zu Königsberg), Wallenstein und Seni. Den höchsten Ruhm erwarb er sich durch die Komposition: der Tod Lionardos (1851). S. wurde hierauf zum Professor und Mitglied des akademischen Senats in Berlin ernannt. Wie vollkommen er auch die Technik der Freskomalerei beherrscht, zeigte er durch seine Arbeiten in der königl. Schloßkapelle und in dem großen Wandgemälde im Neuen Museum: die Einweihung der Sophienkirche in Konstantinopel durch Kaiser Justinian (1853). Auch Si.s spätere Staffeleibilder: Karls I. Abschied von seiner Familie (1855), Esther vor Ahasver (1856; beide in der Nationalgalerie zu Berlin), die nachtwandelnde Lady Maebeth (1860), Cromwell am Sterbebett seiner Tochter (1864; im Museum zu Köln), Philippine Welser vor Ferdinand I. (1864) haben große Aufmerksamkeit erregt. Desgleichen ist er als Maler von Bildnissen sehr geschätzt. Besonders gelungen sind seine Porträts von A. von Humboldt, Cornelius und Ranke. S. war der erste berliner Maler, welcher sich der Richtung der beln. Koloristen mit Erfolg anschloß und einen breitern Stil des Geschichtsbildes anstrebte, worin iei die Bravour seines Vortrags unterstützte. Zu seinen neuern Arbeiten gehören: Philippine Welser vor Ferdinand II., der Abschied Oldenbarneveldts und die für die Nationalgalerie in Berlin 1874 vollendete Huldigung Berlins vor Kurfürst Friedrich I., Königin Elisabeth unterschreibt das Todesurteil der Maria Stuart, Maria Stuart nimmt por ihrer Hinrichtung die vom Papst geweihte Hostie, Cromwell entsagt der Krone Karls I., Cromwell vor dem Bilde Karls J., die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenlande.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 486Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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