FeedSchröder (Friedr. Ludw.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schröder (Friedr. Ludw.), berühmter deutscher Schauspieler und Dramaturg, wurde 3. Nov. 1744 zu Schwerin geboren. Nachdem sich seine Mutter, nach dem frühen Tode seines Vaters, in Moskau 1749 mit Konrad Ernst Ackermann (s.d.) wieder verheiratet hatte, durchzog er mit seinen Eltern Kurland, Preußen und Polen und trat mehrfach in Kinderrollen auf. Später kam er auf das Friedrichskollegium zu Königsberg, wo ihn die Eltern, als sie sich vor den Russen flüchteten, in hilfloser Lage zurückließen. Endlich ließen ihn 1759 seine Eltern nach der Schweiz nachkommen, wo er sich in Solothurn als Schauspieler und Tänzer ausbildete. Dann durchzog er die Schweiz und die Rheingegenden. In Hamburg, wohin die Ackermannsche Gesellschaft 1764 zurückgekehrt war, zeichnete sich S. anfangs als Ballettmeister und im Lustspiel aus. Später ging er ins tragische Fach über und erwarb sich in diesem den Ruhm des ersten Künstlers seiner Zeit. Nach dem Tode seines Stiefvaters übernahm er 1771 mit seiner Mutter gemeinschaftlich die Direktion der Bühne. Auch trat er jetzt mit einem eigenen Lustspiel, Der Arglistiges, auf, dem bald mehrere folgten, die eine lange Reihe von Jahren Glück machten. Seine Gattin, geborene Hart aus Petersburg, welche er 1773 heiratete, bildete sich gleichfalls als bedeutende Schauspielerin aus. Was S. als Vorsteher der Bühne in Hamburg, die durch ihn ihren Ruf und feste Begründung erhielt, wirkte, gehört der Geschichte des deutschen Theaters an. Sein Streben nach Herstellung eines tüchtigen Repertoire und Ensemble der Darstellung, sein strenges Halten auf Sittlichkeit und Ordnung und vor allem sein eigenes Beispiel hoben die Bühne zu einer seltenen Höhe. Durch die fleißigen und umsichtigen Bearbeitungen der Shakspeareschen Trauerspiele trug er zuerst mit dazu bei, diesen Dichter auch auf den deutschen Bühnen heimisch zu machen. Seine glänzendste Periode begann, als er 1780 mit seiner Gattin eine Kunstreise durch die Hauptstädte Deutschlands und nach Paris machte. Im nächsten Jahre folgte er einem Rufe an das wiener Hoftheater. Bald aber übernahm er von neuem die Leitung des hamburger Theaters, die er bis 1798 führte, wo er sich auf sein Landgut Rellingen zurückzog. Nachdem er jedoch 1811 die Verwaltung der Bühne nochmals übernommen hatte, starb er 3. Sept. 1816. Als dramatischer Schriftsteller hatte er mehr die Anforderungen der Bühne als die der Dichtkunst im Auge. Viele seiner Stücke sind nur freie Bearbeitungen englischer. Bülow gab &S.s dramatische Werker mit einer Einleitung von Tieck (4 Bde., Berl. 1831) heraus. S.s Witwe starb 25. Mai 1829. Vgl. das treffliche biographische Werk von F. L. W. Meyer, „Friedrich Ludwig S., Beitrag zur Kunde des Menschen und Künstlerso (2 Bde., Hamb. 1819; 2. Aufl. 1822); Brunier, «Friedrich Ludwig S., ein Künstler⸗ und Lebensbildo (Lpz. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 501Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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