Schwab (Gust. Benjamin), deutscher Dichter, geb. zu Stuttgart 19. Juni 1792, war der jüngste Sohn Johann Christoph S.s (geb. 10. Dez. 1743), der, als ein eifriger Anhänger der Leibniz-Wolffschen Philosophie, gegen Kant auftrat und als Geh. Hofrat und Oberstudienrat in Stuttgart 15. April 1821 starb. Der Sohn besuchte das Gymnasium seiner Geburtsstadt und studierte 1809 —14 in Tübingen Philosophie und Theologie. Im Sommer 1815 bereiste er Norddeutschland, wo er namentlich in Berlin durch Fouqué, Franz Horn u. a. für die Poesie angeregt wurde. Uhland und andere gleichgestimmte Freunde hatten zuerst seinen Drang zum Dichten geleitet; Goethe, Novalis, Tieck und A. W. Schlegel übten den meisten Einfluß auf seine poetische Bildung. Nach seiner Rückkehr wurde er Repetent am theol. Seminar zu Tübingen, 1817 Professor der alten Litteratur an dem obern Gymnasium zu Stuttgart, 1837 Pfarrer zu Gomaringen bei Stuttgart, 1841 Pfarrer an der St. Leonhardskirche in Stuttgart, 1845 Oberstudienrat und Rat beim evang. Konsistorium. Er starb 4. Nov. 1850. Unter S.s zahlreichen poetischen Arbeiten stehen obenan seine Romanzen und Balladen, in denen er unter allen schwäb. Dichtern Uhland am nächsten kommt. Die gelungensten sind diejenigen, in welchen der schwäb. Patriotismus mit Gefühlswärme hervortritt. Seine teils in Zeitschriften und Almanachen, teils in einzelnen Sammlungen, z. B. „(Romanzen aus dem Jugendleben Herzog Christophs »(Stuttg. 1819) und «Legende von den heiligen drei Königen» (Stuttg. 1822), erschienenen Gedichte wurden von ihm in einer Sammlung vereinigt (2 Bde., Stuttg. 1828—29), die später als „Neue Auswahls (Stuttg. 1838; 4. Aufl. 1851) mit einigen Auslassungen wieder erschien, zuletzt als „Gesichtete und neuvermehrte Ausgabey (Gütersl. 1882). Unter seinen übrigen Schriften sind zu erwähnen; «Die schwäb. Albo (Stuttg. 1823), die in Horazischen Metren ins Lateinische übersetzten Gedichte Uhlands De constituenda republica (Stuttg. 1823); ferner «Der Bodensee, ein Handbuch für Reisende und Freunde der Natur, Geschichte und Poesies (Stuttg. 1827; 2. Aufl. 1840), „Buch der schönsten Geschichten und Sagenp (2 Bde., Stuttg. 1836—37; 4. Aufl. 1858), «Die schönsten Sagen des klassischen Altertums (3 Bde., Stuttg. 1838—40; 9. Aufl., Gütersl. 1873) und „Schillers Leben » (3 Abteil., Stuttg. 1840; 2. Aufl. 1841). Auch nahm S. seit 1827 teil an der Redaction des „Morgenblatto. Mit Chamisso gab er längere Zeit den „Deutschen Musenalmanachv heraus. Gute Mustersammlungen sind die Fünf Bücher deutscher Lieder und Gedichtev (Lpz. 1835; 5. Aufl. 1871) und die «Deutsche Prosa von Mosheim bis auf unsere Tagey (2 Bde., Stuttg. 1843; 2. Aufl., 3 Bde., 1860). Ferner erschien von S. ein Wegweiser durch die Litteratur der Deutscheno (Stuttg. 1842; 4. Aufl., Lpz. 1870). Sehr verbreitet sind auch seine «Deutschen Volksbüchero (7. Aufl., 2 Bde., Gütersl. 1872). Seine Kleinern prosaischen Schrifteno wurden neu herausgegeben von K. Klüpfel (Freiburg i. Br. 1882). Vgl. von demselben: „Gustav S. als Dichter und Schriftstellerd (Stuttg. 1884). Sein Sohn, Christoph Theodor S., geb. 1821 zu Stuttgart, studierte zu Tübingen Theologie und Philosophie, lebte 1845 — 51 als Hofmeister des Freiherrn von Prokesch-Osten in Wien, Griechenland und Berlin und wurde 1852 Professor am Katharinenstift zu Stuttgart. Er besorgte die Ausgabe von Hölderlins Sämtlichen Werken v (2 Bde., Stuttg. 1846), veröffentlichte die Monographie Arkadienp (Stuttg. 1852) und schrieb das Leben seines Vaters (Freiburg i. Br. 1883). Er starb 17. Okt. 1883 in Stuttgart. Der ältere Bruder Gustav S.s, Karl Heinrich von S., geb. zu Stuttgart 20. März 1781, studierte die Rechte, trat 1806 in den württemb. Staatsdienst, wurde 1817 Obertribunalrat, 1823 zugleich außerordentliches Mitglied des Geheimen Rats, 1829 Staatsrat, 1830 Vorstand des Obertribunals, 1831 Chef des Justizministeriums und ord. Mitglied des Geheimen Rats, jedoch 1842 der erstern Funktion überhoben. Er starb 23. Jan. 1847.