Sebastiani (Francois Horace Bastien, Graf) franz. Marschall, aus einer angesehenen Familie der Insel Corsica, wurde 10. Nov. 1772 zu Porta d'Ampugnano geboren, trat 1789 in die franz. Kavallerie, schwang sich in den Feldzügen der Revolution rasch empor und erwarb sich als Oberst eines Dragonerregiments am 18. Brumaire die Gunst Bonapartes. Im Feldzuge von 1800 kämpfte er bei Marengo. Nach dem Frieden von Amiens schickte ihn Bonaparte nach Konstantinopel, — Syrien und den Jonischen Rästete wo er als Diplomat ausgezeichnete Dienste leistete. Beim Wiederausbruch des Kriegs mit England erhielt er den Grad des Brigadegenerals. Im J. 1804 beobachtete er in Deutschland die Bewegungen der österr. Armee, und seine Berichte trugen viel zur Eröffnung des Kriegs von 1805 bei. Im Vortrabe Murats befehligend, rückte er mit den ersten franz. Truppen in Wien ein. In der Schlacht bei Austerlitz wurde er schwer verwundet, Napoleon I. erhob ihn hierauf zum Divisionsgeneral und schickte ihn im Mai 1806 als Gesandten nach Konstantinopel. Hier wußte er Selim III. für Frankreich zu gewinnen, setzte die Kriegserklärung gegen Rußland durch und vermochte die Pforte zum Widerstand, als der brit. Admiral Duckworth im Febr. 1807 durch die Dardanellen drang. Kurze Zeit nach Selims Sturze erhielt S. den Befehl über ein Armeekorps in Spanien, wo er bis 1811 ruhmvoll kämpfte. Dann kehrte er nach Frankreich zurück. Bei Eröffnung des Feldzugs von 1812 führte S. eine leichte Division im 2. Kavalleriekorps unter Montbrun, nach dessen Tode in der Schlacht bei Borodino er den Befehl des Korps übernahm. Auf dem Rückzuge befehligte er eine Schwadron der, aus Offizieren gebildeten Légion sacrée, im Frühjahr 1813 eine Division an der untern Elbe, nach dem Waffenstillstande wiederum das neuformirte 2. Kavalleriekorps, mit welchem er an der Katzbach unglücklich, dann bei Leipzig und Hanau kämpfte; 1814 befehligte S. die Gardekavallerie. Während der Hundert Tage organisierte er auf Napoleons Befehl die Nationalgarde zu Amiens und wurde auch vom Depart. Aisne zum Mitglied der Kammer gewählt. Weil sein Name nicht auf der Proskriptionsliste stand, kehrte er 1816 nach Frankreich zurück und gehörte in der Kammer der Opposition an. Nach der Julirevolution von 1830 übernahm er 11. Aug. „das Ministerium der Marine, 17. Nov. das des Auswärtigen. In dieser Stellung wurde er von pvielen Seiten angegriffen und erlitt 1834 in der Entschädigungsfrage der Vereinigten Staaten eine gewaltige Niederlage, sodaß er 1. April seine Entlkassung nahm. S. war sodann Gesandter in Neapel, hierauf 1835—40 in London und erhielt nach seiner Rückkehr den Marschallsstab. Seine Wirksamkeit beschränkte sich seitdem auf die Kammer, in welcher er seit 1835 gewöhnlich die Stadt Ajaccio vertrat. Tochter, er noch das traurige Schicksal seiner einzigen Tochter, der Herzogin Don Pradlin (s.d.), erlebt, starb er 21. Juli 1851 zu Paris.