Sebastian, König von Portugal 1557 — 78, der nachgeborene Sohn des Infanten Johann und Johannas, einer Tochter Kaiser Karls V., geb. 1554, ward 1557 Nachfolger seines Großvaters Johann III. Die Regierung führte bis zu seiner Volljährigkeit sein Großoheim, der Kardinal Heinrich. Von Jesuiten erzogen, erfüllte er sich mit romantischem Kriegseifer gegen die islamischen Feinde des Kreuzes. Schon 1574 unternahm er eine kleine Expedition nach Tanger, von wo aus er dann eine Zeit lang ohne besondern Erfolg gegen die Mauren kämpfte. Kurz darauf brach ein Throntreit in Marokko aus, und der flüchtige Muleiehemmed, der von seinem Oheim, dem regierenden Scherif Mulei-Malek, aus dem Lande verjagt ward, rief die Hilfe S.s an, worauf S. 24. Juni 1578 nach Tanger absegelte. Sein Heer bestand aus Portugiesen, Spaniern, deutschen und ital. Söldnern. Von 2 Eto rückte S. zu Lande gegen Süden vor; bei der Stadt Kassr-el-Kebir stieß er auf die weit überlegene Heeresmacht des Scherifs von Marokko. Hier kam es 4. Aug. 1578 zur Entscheidungsschlacht, in der sein Heer gänzlich geschlagen wurde und S. selbst fiel, ohne daß man seinen Leichnam auffand. Die Blüte des portug. Adels war durch diese Unternehmung vernichtet, die Kassen erschöpft, und das Reich war ohne unmittelbaren Thronerben. Zunächst führte Kardinal Heinrich, den S. zum Reichsverweser bestellt hatte, die Regierung und ward nach einiger Zeit zum König ausgerufen; aber er starb schon 31. Jan. 1580, und mit ihm erlosch die alte portug. Dynastie. Von verschiedenen Seiten wurden nun Erbansprüche erhoben; aber Philipp II. von Spanien, dessen Mutter Isabella eine Schwester von S.s Großvater Johann III. gewesen war, bemächtigte sich mit affengewalt der Herrschaft über Portugal. Vgl. Machado, «Memorias para a historia de Portugal que comprehendem o governo del rey Don S.v (4 Bde., Lissab. 1786—51). Die Folge der Ungewißheit über den Tod des Königs S. war, daß später vier Abenteurer auftraten, die sich für S. ausgaben. Eine namhafte Rolle unter diesen Pseudo-Sebastianen spielte der vierte. Derselbe erschien 20 Jahre nach der Katastrophe zuerst in Venedig und gab vor, daß er auf dem Schlachtfelde unter den Toten und Verwundeten sich verborgen habe und, um Portugals Ruhe nicht zu stören, zunächst in der Berberei geblieben sei, dann in Sicilien als Einsiedler gelebt abe. Der Senat in Venedig verwies ihn, und da er wieder zurückkehrte, wurde er eingekerkert, später ausgewiesen. In Florenz wurde er wieder gefangen genommen und an den span. Vizekönig von Neapel ausgeliefert, wo er, auf seiner Aussage beharrend, als Galerensklave behandelt wurde. Zuletzt soll er nach Castilien geschafft und daselbst im Gefängnis hingerichtet sein. Vgl. d'Antas, Les faux Don Sébastien (Par. 1865).