FeedSeckendorff
GeschichteBrockhaus 1882

Seckendorff, ein altes, jetzt in ganz Deutschland, Osterreich und Ungarn verbreitetes Adelsgeschlecht, zur vormaligen reichsunmittelbaren Ritterschaft in Franken gehörig, dessen Geschichte mit der des Hauses Hohenzollern von dessen ersten Anfängen an auf das engste verknüpft ist und eine stattliche Reihe schon bei den Burggrafen von Nürnberg und Markgrafen von Brandenburg hoch angesehener Würdenträger aufzuweisen hat. (Schon im 14. Jahrh. waren die S. Erbtruchsessen und Erbschenken der Burggrafen von Nürnberg. Ehrenfried von S. kaufte die Markgrafschaft Brandenburg für die Hohenzollern.) Seinen Namen führt es nach dem zwischen Cadolzburg und Langenzenn gelegenen Burghofe, jetzt Dorfe Seckendorf. (Vgl. auch Schönhuth, „Das Wappen der S. in Vorzeit und Gegenwarteo, Bd. 1, Stuttg. 1861.) Den vollständigen Stammbaum leitet jedoch die Familie erst von Ludwig von S. ab, welcher in einer bamberger Stiftungsurkunde von 1262 genannt ist. Unter König Adolf von Nassau blühten bereits elf verschiedene Linien, deren ausgebreitetes Besitztum sich namentlich über die Ritterkantone Steigerwald, Rhön, Werra, Altmühl, Gebürg und Odenwald, den Zenn⸗ und Aischgrund erstreckte. Drei Enkel Ludwigs von S., Aberdar II., Gaudentius und Friedrich, gründeten die drei noch bestehenden Hauptlinien. Die Aberdarische Hauptlinie, in Franken, Württemberg und Preußen anesessen, wurde 1706 von Kaiser Joseph I. in den Reichsfreiherrenstand erhoben und besteht zur Zeit aus den Häusern Aberdar-Sugenheim-Weingartsgreuth, Sugenheim-Wohnfurth, Unternzenn-Ebneth und Gröningen-Erkenbrechtshausen, sowie dem Hause Obernzenn, welches seit 1810 im Württembergischen Grafenstande blüht. Die Gudenter (neuere Schreibweise: Gutender) Hauptlinie teilte sich durch die Brüder Friedrich Heinrich von S., welcher als kaiserl.1 Generalfeldmarschall nach seiner Rückkehr aus Sicilien 1719 von Kaiser Karl VI. den Reichsgrafenstand erhielt, jedoch 1763 ohne Nachkommen starb, in eine gräfliche und durch Ernst Ludwig in eine freiherrl. Linie. Des Ernst Ludwig drei Söhne begründeten die drei Linien Meuselwitz-Linderode, Obernzenn und Kölzen. Aus letzterer stammt Adolf Franz Karl von S. auf Kölzen (geb. 30. Okt. 1742, gest. 9. Nov. 1818), sächs. Geheimrat und Direktor der Stände des Stifts Merseburg, welcher 17. Jan. 1816 von König Friedrich Wilhelm III. in den Grafenstand erhoben wurde. Seine Gemahlin war die jüngste Schwester des Staatskanzlers Fürsten Hardenberg, er selbst vordem Kammerherr der unglücklichen Königin Karoline Mathilde von Dänemark während ihrer Verbannung in Celle gewesen. Ein Sohn des letztern, Graf Theodor Franz Christian, geb. 1801, war preuß. Gesandter in Hannover, Brüssel, Stuttgart u. s. w., zuletzt am Hofe Der Rinhpf wo er 17. Sept. 1858 starb. — Der Rinhofer, von Friedrich abstammenden Hauptlinie, die zur Zeit noch in Preußen, Hessen und Bayern blüht, gehörte Kaspar von S. an, welcher 1590 — 95 Fürstbischof von Eichstätt war. — Joachim Ludwig von S., der Gudenter Linie Obernzenn angehörig und vermählt mit einer Urenkelin Sebastian Schertlins von Burtenbach, war fürstbischöfl. bambergischer Landeshauptmann und erhielt 1632 von Herzog Ernst dem Frommen den Oberbefehl über die sächs. Hilfstruppen beim schwed. Heere. Er ließ sich auf Betrieb Erzherzog Leopolds wegen seines übertritts zur kaiserl. Armee in dem nahenden Friedenswerke auf vorgreifende Unterhandlungen mit Piccolomini ein und wurde, verraten, von den Schweden 1642 in Salzwedel kriegsrechtlich enthauptet. Schiller gedenkt S.s im Wallensteinv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 633Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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