FeedSedulius (Cölius)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sedulius (Cölius), christl. Presbyter im 5. Jahrh., unter Honorius und Theodosius, schrieb mehrere Gedichte religiösen Inhalts in elegantem Latein. Das erste und bedeutendste derselben: „NMirabilium divinorum sive operis paschalis libri quinques, enthält in Hexametern die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu bis zur Himmelfahrt. Von den übrigen Gedichten ist am bekanntesten ein Hymnus auf Christus, genannt Hymnus abecedariuso, weil die Anfangsbuchstaben der 23 Strophen die Reihenfolge des Alphabets angeben. Einzelne Teile dieses Hymnus wurden frühe zu Kirchenliedern benutzt, teils auch von Luther verdeutscht. Beste Ausgabe von Huemer (Wien 1885). Vgl. Huemer, «De 8. poetae vita et scriptiso (Wien 1878); Leimbach, «über den christl. Dichter S. und dessen Carmen paschale (Goslar 1879). Ssdum V., Pflanzengattung aus der Familie der Crassulaceen, die sich durch fleischig-saftige, ausdauernde Blätter und in trugdoldig gruppierte Wickelähren gestellte Blüten rteite 2⸗ Ihre zahlreichen Arten, gegen 120, teils ausdauernde Kräuter, teils Halbsträucher, sind vorzüglich in Europa, den Mittelmeerländern und Asien einheimisch, doch auch in Nordamerika verbreitet. Die Blätter stehen abwechselnd in Spiralen, sind meist ganzrandig und ohne Nebenblätter. Die Blüten besitzen einen vier⸗ bis siebenblätterigen fleischigen Kelch, ebenso viele flache oder konkave Blumenblätter, meist zehn Staubgefäße und fünf Stempel, aus denen mehrsami e Balgkapseln hervorgehen. Unter den einheimis chen Arten sind besonders bemerkenswert: 8S. acre L., der gemeine Mauerpfeffer, und 8. Telephium V., die Fetthenne. Erstgenannte, an steinigen, felsigen Orten, trockenen Rainen und Hügeln, —1 Mauern und Dächern häufig wachsende Pflanze hat kleine, längliche, fast sem Gese dicht stehende Blätter von beißend scharem Geschmack und goldgelbe Blüten. Sie kann nebst andern Arten (dem ebenfalls gelbblühenden, in allen Teilen größern 8. reflexum L., welches auch häufig an felsigen Orten vorkommt, dem weißblühenden, sehr niedlichen, in wärmern Gegenden an Felsen, auf Steingerölle und Mauern wachsenden S. album L. und andere) sehr vorteilhaft zur Dekoration von künstlichen Felsgruppen in Gärten benutzt werden. Die zweite, durch hohen Wuchs, lihwe breite, längliche, gezähnte Blätter und gelbichweiße Blüten ausgezeichnete Art wächst teils auch an felsigen, trockenen, sonnigen Orten, teils auf Äckern. Ihre Wurzeln und Blätter wurden früher als Radix und Herba Telephii s. Crassulae majoris als kühlendes Mittel in der Heilkunde angewendet. Die Blätter können, wie diejenigen der auch zu dieser Gattung gehörenden Tripma dam (S. Anacampseros L), einer weiß⸗ oder rotblühenden, in den Alpen wachsenden und häufig in Küchengärten angebauten Art, mit verkehrt-eiförmigen, ganzrandigen Blättern, als Suppenkraut benutzt werden. Die Wurzel einer verwandten Art, des in höhern Gebirgen vorkommenden, durch grünlichgelbe Blüten ausgezeichneten 8. Rhodiôla L., besitzt einen angenehmen Rosengeruch, wird deshalb Rosenwurz genannt und gilt ebenfalls für ein kühlendes und schmerzstillendes Mittel. Das von Siebold aus Japan eingeführte S. japonicum Sieb. mit rundlichen, blaugrünen, rotgesäumten Blättern. und hellrosenroten Blüten wird jetzt allgemein als Topf-, namentlich als Ampelpflanze kultiviert, auch zu Einfassungen von Gartenbeeten und Gräbern verwendet. Zum letztern Zweck dienen auch verschiedene breitblätterige, teils rot-, teils gelbblühende Arten aus Sibirien und dem Kaukasus, wie S. hybridum, roseum, spurium, kamtschaticum u. a. See. Die See ist gleichbedeutend mit Meer (s. d.) und in der Sprache des deutschen Seemanns mit den vom Winde erzeugten Wellen (daher z. B. „Sturzseev). Der See bezeichnet eine größere oder kleinere Wassersammlung, die in einem natürlichen Becken eingeschlossen ist, und deren Verbindung mit dem Meere, wenn eine solche stattfindet, durch einen Fluß (Abfluß) vermittelt wird, in welchem Falle der S. dann auch Strömung hat und sich von dem Stillwasser unterscheidet. Übrigens zeigt der Sprachgebrauch viel Schwankendes. Es gibt auch S., welche Meere genannt werden, ohne gerade durch ihre besondere Größe auf diese Auszeichnung Anspruch zu haben; so z. B. nicht nur das Kaspische Meer, der größte aller S. (439418 qkm), sondern auch das Tote Meer inPalästina (1283 ꝗkm), das Bayrische Meer (der 193 Km große Chiemsee) und das Steinhuder Meer (31 akm). Mißbräuchlich nennt man S. oft auch Teiche (s. d.) und Weiher, d. i. kleine Wasser, deren Ansammlung und Aufstauung künstlich bewirkt wird oder befördert ist durch Abdämmung und Eindeichung, um darin che zu ziehen, oder, wie dies in Ostindien bei den schils und Tanks der Fall, zur Bewässerung des Landes. Die S., auch Landseen oder Binnengewässer genannt, werden mit bloßer Rücksicht auf die Wasserfläche eingeteilt in Quellseen ohne sichtbaren Zufluß und mit Abfluß, in Flußseen mit Zufluß und Abfluß und in Steppenseen, die teils Zufluß, aber keinen Abfluß haben und alsdann Binnenseen n werden, teils ohne Ab⸗ und Zufluß sind. Die Steppenseen sind in der Regel Salzseen. Nach der chem. Beschaffenheit des Wassers teilt man die S. nämlich in Süßwasserseen und Salzseen. Mit Rücksicht auf die Höhenlage, die natürliche Bildung und Beschaffenheit des BReckens, worin das Wasser angesammelt ist, unterscheidet man Gebirgsseen, wie der 118 km lange Pangongsee im Indusgebiet, in 4246 m Höhe, der Tscholamusee im Himalaja, nördlich vom Donkiapasse, in 5181 m Höhe, vielleicht der höchstgelegene der Erde, sowie die lombardischen Seen, und Thalseen, die gewöhnlich Flußseen sind; Krater- oder Drichterseen, d. i. wassererfüllte Krater; Plateauseen auf Hochebenen, die meistenteils Steppen⸗ und Salzseen sind; Eisseen, welche durch das Vorschieben eines herabgleitenden Gletschers vor den Bach eines Nebenthals gebildet werden und wegen ihres gelegentlichen Durchbruchs gefährlich sind; Tieflandseen, welche die tiefsten Gründe der Tiefebenen und die Spalten ebener Felsplatten erfüllen. Hat das Gebirge alpinen Charakter, so nennt man seine Wassersammlungen Alpenseen, während diejenigen der Mittel⸗ und niedrigen Gebirge Bergseen heißen. Der größte Alpensee der Erde ist der Baikal; Bergseen sind z. B. die sog. 2uhah des obern Schwarzwaldes. Die Kraterseen haben kreisrunde Gestalt, geringen oder doch mäßigen Umfang, oft unergründliche Tiefe, selten Inseln, noch seltener Abfluß. Zu ihnen gehören z. B. mehrere S. der Apenninischen Halbinsel und die sog. Maare der Eifel. Die Plateauseen haben meist länglichrunde Gestalt, gewöhnlich mittlere Größe, wie z. B. der Lopnoor in Ostturkestan, zum Teil aber auch bedeutenden Umfang, wie der Great-Salt-Lake in Utah, der Titicacasee in Bolivia, der Nyanza oder Ukerewe, Nyassa und Tanganyika in Südafrika; auch haben sie in der 9— flache Ufer, wenige oder gar keine Inseln. Die Niederungsseen haben sehr unregelmäßige Gestalt und bald buchtenreiche, flache und sumpfige, bald steile Ufer. Ihre Tiefe ist im Verhältnis der Größe meist gering, zuweilen aber auch sehr bedeutend; die meisten haben viele Inseln, sowie Zu- und Abfluß. Als bloße Mündungsseen sind sie den sandigen, trockenen Steppen Asiens, als Flußseen CEuropa und dem nördl. Amerika eigen. Die größten Niederungsseen sind der Kaspische und der Aralsee, der Balkasch, der Tsad in Sudan, der Ladoga, Onega, Saima, die fünf S. des St. Lorenzgebiets in Canada, von denen der Obere-, Michigan- und Huronsee eigentlich einen bilden, der Große Sklaven⸗, der Große Winnipegsee u. s. w. Eine besondere Merkwürdigkeit haben das Kaspische und das Tote Meer, indem jenes 25,6 m, dieses 391 m unter dem allgemeinen Meeresniveau liegt, ersteres bei einer Tiefe bis zu 900 m, letzteres von 398 m. Die höchstgelegenen S. sind, außer dem Tscholamu im Himalaja (5181 m), der Tengri-Noor in Tibet (4632 m), der Große Kara-Kul auf der Pamir (4023 m), die heiligen Manasarowareseen in Tibet (4645 m), mehrere andere von über 4550 m Höhe in demselben Lande, der Titicacasee (3824 m). Der tiefste S. ist der Ontario (1104 m). Ihrer Entstehung nach zerfallen die S. in die zwei Hauptklassen der Rest⸗ oder Reliktenseen, welche ehemals Teile des Meeres waren und meist noch marine Tiere bergen (Reliktenfauna), und die ursprünglichen Landseen (auch orographische genannt), die durch Veränderung im Relief der trockenen Erdoberfläche entstanden sind, mögen diese in Verwerfungen beruhen (Einsturzseen), oder in Abdämmungen der Flußthäler durch Erdstürze (Dammseen), oder im Hochgebirge durch Gletscher (Eisseen), oder durch Aufwühlen weicher Gesteine während der Eiszeit, oder durch vulkanische Eruptionsthätigkeit (Kraterseen und Maare). Als temporäre oder intermittierende Seen sind besonders berühmt der Czirknitzersee und der Kopais. Der Neusiedlersee in Ungarn war in den J. 1693, 1738 und 1868 ganz ausgetrocknet, füllte sich aber jedesmal wieder.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 639Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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