FeedSeelenverkäufer
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Seelenverkäufer oder Zettelverkäufer hießen die berüchtigten, in Holland und besonders in Amsterdam ihr Wesen treibenden Mäkler, welche Matrosen oder Soldaten zum Dienste in den Kolonien und namentlich für die Ostindische Kompagnie anwarben, sie bis zur Ablieferung unterhielten und dabei für jedes Individuum einen auf 150 Fl. lautenden Schuldzettel erhielten, die ihnen, wenn der Verkaufte am Leben blieb, ausgezahlt wurden, nachdem man sie diesem an seinem Lohne abgezogen hatte. Die S. aber verhandelten diese sog. Transportzettel an Kapitalisten, und so wurde sowohl mit diesen Zetteln wie mit den sog. Monatszetteln, in denen die Verkauften ihren Hinterlassenen in Europa von ihrem Lohne jährlich einige Gulden auszahlen zu lassen sich anheischig machten, schmählicher Wucher getrieben. — Auch kleine leicht umschlagende Boote werden S. genannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 648Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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