FeedSella (Quintino)
GeschichteBrockhaus 1882

Sella (Quintino), ital. Staatsmann, geb. 7. Juli 1827 zu Mosso Valle Superiore bei Biella, studierte Mathematik und Ingenieurwissenschaft in Turin, dann an der Ecole des mines in Paris und später in Freiberg und wurde dann Professor an der turiner Ingenieurschule, in welcher Stellung er viele Abhandlungen über Mineralogie in den Denkschriften der turiner Akademie erscheinen ließ. Nachdem er 1860 in die Kammer gewählt worden war, wurde er bereits 1861 unter Cavour Generalsekretär im Ministerium des öffentlichen Unterrichts, und im Ministerium Rattazzi 1862, sowie unter La Marmora 1864 Finanzminister. Zum dritten mal übernahm er im Kabinett Lanza 1869 das Finanzministerium und war mit Erfolg bemüht, die jährlichen Defizits zu vermindern. Auch war er es hauptsächlich, der 1870 ein Bündnis Italiens mit Frankreich verhinderte und im Einverständnis mit der Linken auf die Besitzergreifung Roms drang. Als 23. Juni 1873 die Zweite Kammer gegen seine Steuervorlagen stimmte, nahm S. mit dem ganzen Kabinett Lanza seine Entlassung; Minghetti, der zwei Kollegen Sis beibehielt, setzte hierauf im wesentlichen die Finanzpolitik seines Vorgängers fort. Von 1876 bis 1878 war er das Haupt der Opposition der gemäßigten Partei in der ital. Kammer; später erschien er mehrere Jahre lang nur bei wichtigen Gelegenheiten im Parlament. Ein 1881 von ihm unternommener Versuch, mit minder gewichtigen Elementen der Linken ein Ministerium zu bilden, mißlang aus Mangel genügender Vorbereitung. Als Präsident der von ihm reorganisierten röm. Akademie der Luchsäugigen leitete er die übersiedelung derselben in ihre neue Amtswohnung im Palazzo Corsini. Er starb 14. März 1884 in seiner Heimat. Auf Staatskosten wird ihm vor dem Finanzministerium in Rom ein Denkmal errichtet werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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