Seneschall oder Seneschalk, d. i. ältester Diener (vom lat. senes und althochdeutschen scalc), war in Frankreich seit der Zeit der merovingischen Könige der Titel eines der vornehmsten Hofbeamten, der das Innere des königl. Hauswesens zu besorgen und, wie in England der High-Steward, auch richterliche Funktionen hatte. Im ehemaligen Deutschen Reiche vertrat der Truchseß die Stelle des französischen S. Auch die alten Lehnsfürsten, die Herzöge von Normandie, Bretagne, Guyenne, Burgund, die Grafen von Flandern, Champagne, Toulouse u. s. w., hatten ihre S. mit richterlichen Funktionen. Als diese Besitzungen an die Krone fielen, blieben doch diese Gerichtsbezirke (sénéchaussées), die nun durch königl. Beamte, die ebenfalls S. hießen, verwaltet wurden. Der S. des königl. Hofs hieß Grand Sénéchal.