FeedTruchseß
Recht & StaatBrockhaus 1882

Truchseß, im Latein des Mittelalters Dapifer, in Frankreich Seneschall (s. d.), in England Kligh Steward, war der Titel eines Beamten an großen und kleinen Höfen, welcher über Küche und Skonomie die Oberaufsicht führte. In Deutschland hatte seit der Krönung Ottos I. ein Fürst als T. bei feierlichen Gelegenheiten die erste Schüssel auf die Tafel des Kaisers zu setzen. Wie die ubrigen Erzämter (s. d.), wurde auch dieses später erblich und mit einem Kurfürstentum verbunden und zwar das Erztruchseßamt mit der Rheinpfalz. Als Friedrich V. von der Pfalz 1623 der Kur verlustig ging, fiel das Erztruchseßamt an Bayern und 1706 infolge der Achtung des Kurfürsten von Bayern wieder an die Pfalz. Doch schon 1714 kam Bayern von neuem in den Besitz des Erztruchseßamts, das es nun bis zur Aufhebung des ehemaligen Deutschen Reichs blekeidete. [Waldburg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 872Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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