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GeschichteBrockhaus 1882

Serbisch-Bulgarischer Krieg von 1885, wurde veranlaßt durch die Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien (18. Sept. 1885), welche Serbien (s. d.) nicht dulden wollte. König Milan befahl 22. Sept. die Mobilmachung des serb. Heers, beschränkte dieselbe jedoch auf die Feldarmee und deren Ersatztruppen. Darauf hin mobilisierte Fürst Alexander alle Aufgebote Bulgariens und Ostrumeliens, während nunmehr auch die Türkei im Maritzathale, bei Adrianopel, sowie im Süden Bulgariens und Serbiens größere Truppenmassen versammelte. Die Mobilmachung des serb. Heers vollzog sich planmäßig, doch konnten nicht alle Schwadronen und Batterien aufgestellt werden, da es im Lande an geeigneten Pferden fehlte; die Operationsarmee war zu Anfang November in 5 Divisionen 53000 Streitbare mit 132 Geschützen stark. Das bulgarische Heer zählte um Mitte Oktober an Feldtruppen 30000 Mann mit 96 Geschützen, die ostrumelische Miliz 12000 Mann mit 4 Geschützen, sodaß beide auch vereint numerisch nicht die Stärke der serb. Feldarmee erreichten; doch waren auch Bataillone des zweiten Aufgebots und Landsturmtruppen bis zum Beginn des November verfügbar geworden, welche diesen Unterschied in der Zahl der Streiter verschwinden ließen. Serbien versammelte seine Feldarmee in drei Gruppen. Drei Divisionen (die Schumadia⸗, Donau⸗ und Drinadivision, zusammen 33000 Streitbare) wurden als Hauptarmee an der von Nisch über Pirot nach Sofia führenden Straße an der Grenze zusammengezogen, eine Division (Morawadivision) als rechter Flügel im Thale der Morawa und den übergängen der Blasina-Hochfläche, eine Division (Timokdivision) als linker Flügel im Timokthale bei Zajekar und an der Grenze gegenüber von Bregowa. Die beiden Flügeldivisionen zählten je 10000 Streitbare, und das Oberkommando des Königs Milan befand sich zu Nisch. Die Hauptarmee und der rechte Flügel standen vier Märsche von Sofia entfernt und sollten zur Besitznahme der feindlichen Hauptstadt zusammenwirken, der linke Flügel dagegen sollte selbständig gegen Widin und zwischen der Donau und dem Balkan Verwendung finden. Man glaubte mit vier Divisionen (43000 Streitbare) sich leichten Kaufs Sofias bemächtigen und das bulgar.⸗rumel. Heer überwältigen zu können, da ein erheblicher Teil dieses Heers an der türk. Grenze und in Ostrumelien stand und fast alle höhern Stellen mit jungen Offizieren neubesetzt worden waren, nachdem 19. Sept. die russ. Offiziere Befehl erhalten hatten, die Dienste des Fürsten Alexander zu verlassen. Trotz dieser Hindernisse verlief in Bulgarien und Ostrumelien die Mobilmachung planmäßig. Das Heer wurde in drei Gruppen aufgestellt. Die Hauptarmee, bestehend aus der ostrumel. Miliz und einer bulgar. Division, stand 25000 Mann stark bei Philippopel und östlich davon bis zur türk. Grenze; eine bulgar. Division von 15000 Mann stand bei Sofia und hatte über Dragoman und Trn Vortruppen an die serb. Grenze geschoben, eine Abteilung von 4000 Mann stand bei Widin und hatte gegen Zajekar Vortruppen entsendet. Das Hauptquartier des Fürsten Alexander befand sich zu Philippopel. Am 13. Nov. erklärte Serbien an Bulgarien den Krieg. König Milan verlegte sein Hauptquartier nach Pirot und ließ 14. Nov. auf der ganzen Linie die Grenze überschreiten. Die Hauptarmee rückte, die Schumadiadivision voran, auf der großen Straße vor, der rechte Flügel im Vlasinathale und über die gleichnamige Hochfläche gegen Trn, der linke Flügel gegen Widin. Bei der Schumadia- und Morawadivision kam es schon am 14. zu kleinen Gefechten gegen die schwachen bulgar. Vortruppen, welche zurückgingen. Die serb. Hauptarmee ließ zur Verbindung mit dem rechten Flügel Abteilungen im Sukowathale gegen Trn vorgehen und deckte sich nach der linken Seite durch Entsendungen nach Planinitza und Ginzi, der Paßhöhe der von Berkowitza nach Sofia führenden Balkanstraße. Fürst Alexander verließ 14. Nov. mittags Philippopel und ließ alle in Ostrumelien stehenden Truppen nach Sofia marschieren, wobei die Bahn bis Sarambeg nach Möglichkeit benutzt wurde. Am 15. Nov. wurde von der serb. Hauptarmeem nach mehrstündigem Kampfe der Dragomanpaß gewonnen, ebenso von den Kolonnen des rechten Flügels in der folgenden Nacht Trn nach mehrern Gefechten gegen bulgar. Landsturm. Die Bulgaren gingen nach der vor Sofia als Schlachtstellung befestigten Linie von Sliwnitza zurück und erlitten nur geringe Verluste, Fürst Alexander traf in Sofia ein. Im Norden wurden bei Adlise die bulgar. Vortruppen von der serb. Timokdivision geschlagen. Am 16. Nov. traf Fürst Alexander in der Sliwnitza-Stellung, an deren Befestigung seit Anfang des Monats eifrig gearbeitet worden war, ein und fand dort 15000 Mann. Die serb. Hauptarmee war vom Dragomanpaß herabgestiegen, die Morawadivision stand bei Trn und vor Bresnik, die Timokdivision schlug den bulgar. Landsturm abermals westlich von Widin, und König Milan verlegte sein Hauptquartier nach Zaribrod. Am 17. Nov. trafen die Spitzen der aus Ostrumelien anrückenden Kolonnen in Sofia ein. Die 4 km lange Stellung bei Sliwnitza (30 kKm nordwestlich von Sofia, den Halkalibach vor der Front) wurde von der bulgar. Division in Erwartung eines Angriffs besetzt. Kurz vor Mittag gingen vom rechten Flügel drei bulgar. Bataillone zur Erkundung des Feindes vor, überraschten die serb. Vortruppen, mußten aber, da die drei Divisionen der serb. Hauptarmee nunmehr vorrückten, bald zurückgehen. Im Bereiche des Gewehrfeuers vor der bulgar. Stellung machten die Serben Halt und erlitten starke Verluste, namentlich durch das Feuer der mit Kruppschen Geschützen bewaffneten bulgar. Artillerie. Bei Einbruch der Nacht kehrten die Serben in ihre alten Stellungen zurück, wobei die Truppen der Donaudivision durch die bulgar. Infanterie des rechten Flügels verfolgt und bis zum Dragomanpaß zurückgetrieben wurde. Am 18. Nov. griffen die Serben den linken Flügel der bulgar. Stellung an, versuchten diesen zu umfassen, wurden aber zurückgewiesen, wobei die ersten, von Sofia eintreffenden ostrumel. Truppen ins Gefecht kamen. Ein gegen die Mitte der Stellung mit wenig Nachdruck unternommener Angriff scheiterte durch das bulgar. Geschützreuer. Gegen Abend fanden auf beiden Flügeln noch kleine Zusammenstöße statt, doch gelang es den Serben nirgends, einen Erfolg zu erringen. Während der Nacht trafen beim bulgar. Heere von Sofia her namhafte Verstärkungen ein, während das serb. Heer durch mangelhafte Fürsorge für die Verpflegung zu leiden hatte. Am 19. Nov. sollten die serb. Hauptarmee und die inzwischen herangekommene Morawadivision gemeinsam einen entscheidenden Angriff auf die Sliwnitza-⸗Stellung ausführen, aber die Morawadivision kam nicht über Badiza und Pernik hinaus, obschon ihr nur unbedeutende Streitkräfte, namentlich Landsturmtruppen, gegenüberstanden. Zwei Divisionen der serb. Hauptarmee griffen morgens 8 Uhr den rechten Flügel der Bulgaren an, wurden aber durch die rechtzeitig eintreffende bulgar. Reserve mit großem Verluste zurückgeworfen und bis zum Dragomanpaß verfolgt, womit die Schlacht entschieden war. Die Kraft des serb. Heers war gebrochen und dasselbe blieb am 20. Nov. unthätig stehen, während bulgar. Truppen Bresnik nahmen und die Morawadivision zurücktrieben. Bei Sliwnitza trafen an diesem Tage die letzten Verstärkungen aus Ostrumelien ein, und Fürst Alexander schritt 21. Nov. selbst zum Angriff. Die Serben wichen zurück, hielten jedoch durch ihre Nachhut den Vormarsch des bulgar. Heers auf, sodaß ihre Hauptmacht nach Pirot abziehen konnte. Fürst Alexander erstürmte 22. Nov. den Dragomanpaß und tags darauf Zaribrod, warf am 24. die serb. Nachhut über die Grenze, die er selbst am 26. Nov. an der Spitze seines bis auf 50000 Mann angewachsenen Heers überschritt, griff bei Pirot die westlich der Stadt in befestigter Stellung stehende, durch Truppen des zweiten Aufgebots verstärkte serb. Armee (vier Divisionen), nachdem um Pirot den Tag über gekämpft worden war, am 27. Nov. an und brachte derselben nach schwerem, für beide Teile sehr blutigem Kampfe eine entscheidende Niederlage bei. Das serb. Heer floh nach Bela-Palanka und Knjazewatz und war vorläufig nicht mehr kampffähig; Fürst Alexander verlegte sein Hauptquartier nach Pirot. Inzwischen hatte im Donauthale die serb. Timokdivision eine Abteilung nach dem Lom entsendet und Widin berannt, dessen ehemalige Befestigung soweit erhalten war, daß die Stadt mit Hilfe einiger von Rustschuk mittehs der Donauflottille herangeschafster Geschütze verteidigt werden konnte. Am 18. Nov. wurde ein Angriff der Serben abgewiesen, und tags darauf rückte die Division ab, um sich mit der Hauptarmee zu vereinigen, empfing jedoch am 20. Nov. in Belogradschik Gegenbefehl und den Auftrag, sich Widins zu bemächtigen. Die Division traf 23. Nov. vor Widin ein, bombardierte die Stadt, versuchte am 25. zweimal den Sturm, wurde aber abgeschlagen. Ebenso mißlang ein in der Nacht vom 28. zum 29. Nov. unternommener Angriff. Am 28. Noy. traf der österr.⸗ ungar. Gesandte zu Belgrad in Pirot ein und veranlaßte den Fürsten Alexander, seine Operationen einzustellen. Binnen wenigen Stunden wurde zwischen den beiden Oberkommandos die Einstellung der Feindseligkeiten vereinbart; die Truppen blieben in ihren Stellungen. Durch Vermittelung der Großmächte kam es in Pirot 21. Dez. 1885 zum Abschlusse eines Waffenstillstandes, worauf beiderseits die Räumung des besetzten feindlichen Gebietes stattfand. Die weitern Friedensverhandlungen fanden zu Bukarest statt, wo der Friede 3. März 1886 geschlossen wurde. Dem Friedensschlusse folgte unmittelbar die Demobilisierung der beiden Heere. In diesem kurzen Kriege, welcher keinerlei Gebietsveränderung der beteiligten Staaten zur Folge hatte, verlor das serb. Heer 6800 Mann tot oder verwundet und 1200 Gefangene, das bulgar.⸗ostrumel. Heer 2300 Mann tot und verwundet und 500 Gefangene.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 718Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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