FeedSerpentin
NaturlehreBrockhaus 1882

Serpentin ist ein als Gestein auftretendes Mineral von meist dunkelgrüner oder bräunlicher Färbung in den verschiedensten Nuancen, oft mehrfarbig gefleckt oder geadert, von dichtem, mattem, oft splitterigem oder muscheligem Bruche, geringer Härte und Eigenschwere. Von der Farbenzeichnung, welche an die Haut einer Schlange erinnert, oder weil er als Mittel gegen Schlangengift galt, erhielt er bei den alten Griechen den Namen Ophites (von 69˙⁷6, Schlange), wonach auch der dem Lateinischen entlehnte Name S. (von serpens, Schlange) gebildet ist. Nach seiner chem. Zusammensetzung ist er ein wasserhaltiges Magnesiasilicat, welches in seiner normalen Zusammensetzung aus 43,5 Proz. Kieselsäure, 43,5 Proz. Magnesia, 13 Proz. Wasser besteht, wobei aber immer ein Teil der Magnesia durch Eisenoxydul ersetzt ist. Aller S. ist als ein Umwandlungsprodukt verschiedener anderer Mineralien und Gesteine zu betrachten; in den meisten Fällen geht er, wie sich dies namentlich durch die mikroskopische Untersuchung von Dünnschliffen nachweisen läßt, aus Olivin oder Olivenfelsmassen hervor, doch können auch thonerdearme Hornblenden und Augite, sowie Granaten bei ihrer Umwandlung S. liefern. Wo der S. als Gestein auftritt (sog. Serpentinfels), da enthält er oft manche accessorische Mineralien in sich eingewachsen, wie Granat, Bronzit, dunkeln Glimmer, Talk, Chlorit, Chromeisen, Magneteisen. Man unterscheidet den gemeinen und den edeln S. Der gemeine Serpentin bildet ganze Berge oder mächtige Lager meistens im Gebiet der alten krystallinischen Schiefer, der heller gefärbte und durchscheinende edle dagegen nur kleine Massen, oft in Form von Pseudomorphosen. Der gemeine S. ist ziemlich häufig, z. B. in Sachsen, Schlesien, Nassau, Oberpfalz u. a. O. Er läßt sich, wenn er frisch gebrochen ist, leicht auf der Drehbank bearbeiten und es werden daher viele Gerätschaften aus ihm ge—⸗ fertigt, als Mörser, Reibschalen, Wärmsteine, Dosen, Büchsen, Schreibzeuge, Leuchter, Vasen, Urnen, auch Taufsteine, Säulen und andere architektonische Verzierungen. Dieselben werden seit lange schon vorzüglich im Städtchen Zöblitz im sächs. Erzgebirge, neuerdings auch an verschiedenen andern Orten gefertigt. Wegen seiner Feuerbeständigkeit verwendet man den S. auch zu Ofengestellen, Herd⸗ und Brandmauern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 726Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6