Seymour, eine engl., aus der Normandie stammende Familie, die in der Geschichte zum ersten mal mit Sir John S. auftritt, der zu Anfang des 16. Jahrh. Sheriff von Somerset und Dorset war. Seine Tochter Jane wurde 1536 die dritte Gemahlin Heinrichs VIII., sein ältester Sohn Edward aber Herzog von Somerset (s. d.) und Protektor des Reichs. Ein Ururenkel desselben war Sir Edward S., ein berühmter Redner und Staatsmann, der als Mitglied des Unterhauses 1667 die Anklage gegen den Lordkanzler Clarendon erhob und durchsetzte. Obwohl Tory, nahm er an der Revolution von 1688 teil und starb hochbetagt 1707. Sein ältester Sohn war der Ahnherr der jetzigen Herzöge von Somerset; der zweite, Popham S., erbte die irischen Besitzungen seines Vetters, des Grafen Conway, weshalb er sich S. Conway nannte. Er fiel 1699 im Duell und wurde von seinem jüngern Bruder Francis S. beerbt, der 1703 den Titel Lord Conway erhielt und 3. Febr. 1732 starb. Dessen zweiter Sohn, Henry S.⸗ Conway, ein ausgezeichneter General und Staatsmann, be chrn 1761 die engl. Truppen in der Armee des Prinzen Ferdinand von Braunschweig, wurde 1765 Staatssekretär und starb als Feldmarschall 1795; der ältere, Francis S.⸗Conway, bekleidete ebenfalls mehrere wichtige Staatsämter, wurde 1750 zum Grafen von Hertford, 1793 zum Grafen von Narmouth und Marquis von Hertford erhoben und starb 14. Juni 1794. Francis Charles S.⸗Conway, dritter Marquis von Hertford, geb. 11. März 1777, war bis 1822 unter dem Namen eines Grasen von dant mouth bekannt und erfreute sich der besondern Gunst Georgs IV. Er starb 1. März 1842. — Sein Sohn, Lord Henry S., geb. 18. Jan. 1805, gest. im Aug. 1859 zu Paris, hinterließ sein ansehnliches Vermögen einer Mademoiselle Sophie Cheneau und den pariser und londoner Hospitälern. Letzteres Legat wurde Gegenstand eines langen Prozesses, der erst 1867 zu Gunsten einer gleichen Teilung der Erbschaftsmasse zwischen den Hospitälern von Paris und London entschieden ward. Sir George Hamilton S., ausgezeichneter Diplomat, der Sohn Lord George S.s und Enkel des ersten Marquis von Hertford, wurde 1797 geboren. Er wurde 1817 Attaché bei der brit. Gesandtschaft im Haag und 1819 Protokollist im Auswärtigen Amte, begleitete 1822 den Herzog von Wellington auf den Kongreß von Verona und ging 1823 als Legationssekretär nach Frankfurt, von wo er 1826 nach Stuttgart und 1828 nach Berlin versetzt wurde. Im J. 1829 ward er zum Botschaftsrat in Konstantinopel ernannt, fungierte seit 1831 als Gesandter in Florenz, seit 1836 in Brüssel 1846—51 in Lissabon und seit 1852 in Petersburg, wo er die persönlichen Verhandlungen über die Orientfrage mit dem Kaiser Nikolaus hatte, die nach dem Ausbruche des Krimkriegs durch die engl Presse veröffentlicht wurden. Infolge der Abreise des russ. Gesandten aus London war er ebenfalls genötigt, seine Pässe zu fordern; er verließ Petersburg im Febr. 1854. Im Dez. 1855 wurde er zum engl. Gesandten in Wien ernannt, trat 1856 in den Ruhestand und lebte seitdem in London, wo er 2. Febr. 1880 starb.