Sigismund, deutscher Kaiser, 1411—37, Sohn Kaiser Karls IV., geb. 14. Febr. 1368, erhielt nach des Vaters Tode (1378) die Markgrafschaft Brandenburg und erwarb sich durch Verlobung mit Maria, der Erbtochter Ludwigs d. Gr. von Polen und Ungarn, auch die Anwartschaft auf die Erbfolge in diesen beiden Ländern. Allein nach Ludwigs Tode (1382) erwählten die Polen Hedwig, die Schwester Marias, zur Königin, und in Ungarn, wo Marias Mutter, Elisabeth, anfangs die vormundschaftliche Regierung übernommen hatte, riß 1385 Karl von Durazzo die Herrschaft an sich. Erst nachdem dieser ermordet war, gelangte Maria zur Nachfolge. Doch kam sie zunächst bei dem Ban von Kroatien, Johann Horvath, in Gefangenschaft, aus der S. sie erst befreien mußte, ehe er sich mit ihr vermählen und sich zum König von Ungarn 1387 krönen lassen konnte. Die Widerspenstigkeit des Wojwoden der Walachei, der sich ihm nicht unterwerfen wollte, verwickelte ihn in einen Krieg mit den Türken, dessen Kosten zu bestreiten er 1388 die Alt⸗ und Kurmark an seinen Vetter Jobst von Mähren verpfändete. Obgleich von deutschen Fürsten und der franz. Ritterschaft unterstützt, würde er in der blutigen Schlacht bei Nikopolis 1396 von Bajazet gänzlich geschlagen. Als er nach einiger Zeit nach Ungarn zurückkehrte, wo schon 1392 seine Gemahlin gestorben war, empörte sich die Nation gegen ihn, setzte —1— 1401 gefangen und krönte an seiner Statt Ladislaw von Neapel zum König. S. entfloh, eilte mit Unterstützung des Grafen von Eilly nach Böhmen, verkaufte die 1396 von seinem Bruder Johann geerbte Neumark an den Deutschen Ritterorden und sammelte von dem Gelde ein bedeutendes Heer, mit welchem er die ungar. Empörer unterwarf und sich wieder in den Besitz des Landes setzte. Sein Bruder Wenzel war bereits 1400 als deutscher König entsetzt worden und hatte Ruprecht von der Pfalz zum Nachfolger erhalten. Nach des letztern Tode (1410) bewarben sich S. und Jobst von Mähren zugleich um die deutsche Königskrone, und wurden beide in ganz regelloser Weise von den zwieträchtigen Fürsten Als aber Jobst schon 1411 starb, fielen S. auch die übrigen Stimmen zu, und Wenzel behielt sich nur den Titel eines röm. Königs vor. Damals mit Venedig in Krieg verwickelt, den er 1412 endigte, kam S. erst 1414 nach Deutschland, wo er es seine erste Sorge sein ließ, durch ein Konzilium zu Konstanz dem großen Schisma der Kirche (1378-1417) ein Ende zu machen. Indem er diesen Plan durch längere Reisen nach Frankreich, England und Spanien auch glücklich verwirklichte, legte er andererseits durch seine Einwilligung in die Verbrennung von Huß, dem er freies Geleit versprochen hatte, den Grund zur Entstehung des Hussitenkriegs, der ihn fast während seiner ganzen übrigen Regierungszeit beschäftigte und Böhmen, das ihm durch Wenzels Tod 1419 zugefallen war, und die angrenzenden Länder der Verwüstung preisgab. Erst mit dem Vertrag zu Iglau von 1436 glückte es S., Frieden zu erlangen. Zur Anerkennung der großen Verdienste, welche Friedrich der Streitbare, Markgraf von Meißen, sich während des Hussitenkriegs erworben hatte, belieh ihn S. 1423 nach dem Erlöschen des askanischen Stammes mit der Kurwürde und dem Herzogtum Sachsen; für die durch Jobsts Tod ihm heimgefallene, in äußerster Zerrüttung befindliche Mark Brandenburg bestellte er den Burggrafen Friedrich von Nürnberg zum Verweser, indem er zugleich die zur Einlösung der Pfandschaften erforderlichen Summen, sowie die für vielfache Dienste in Reichssachen schuldigen Gelder darauf verschrieb; nach Herstellung der Ordnung belehnte er 1415 Friedrich mit dem Fürstentum. Die früher verbreitete Darstellung, als ob die Mark an Friedrich erst verpfändet und dann verkauft sei, ist durchaus falsch. Auch erhob S. Kleve zum Herzogtum, holte sich 1431 und 1433 die ital. Königs⸗ und röm. Kaiserkrone aus Italien und machte 1437 zu Eger, wiewohl ohne Erfolg, den Versuch zur Aufrichtung eines deutschen Landfriedens. Er starb 9. Dez. 1437. Mit ihm erlosch das Haus der Luxemburger. Ihm folgte als Erbe seiner Länder und als deutscher König sein Schwiegersohn Albrecht II. Kerler veröffentlichte: «Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser S., Abteil. 1, 1410—20 (Münch. Aschbach, «Geschichte Kaiser S.8 (4 Bde., Hamb. 1838—45); Schroller, Die Wahl S.s zum röm. Königo (Bresl. 1875); Bezold, König S. und die Reichskriege gegen die Hussitend (3 Abteil., Münch. 1872—77); Lenz, «König S. und Heinrich V. von Englando (Berl. 1874); Caro, „Das Bündnis von Canterburys (Gotha 1880); Kagelmacher, Filippo Visconti und S.» (Berl. 1885).