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GeschichteBrockhaus 1882

Skythen wurden die nach Abstammung und Sitten verschiedenen Völkerschaften genannt, die im Norden der Donaumündungen und des Schwarzen Meers von den Karpaten bis zum Don, also in der jetzigen Moldau und Walachei und in den weiten Ebenen des südl. Rußland wohnten, und die sich nach Herodots Angabe selbst mit dem Namen der Skoloten bezeichneten. Der angesehenste und zahlreichste Stamm unter ihnen, von Herodot die königlichen oder freien Skythen genannt, war ein echtes Nomadenvolk, das ohne feste Wohnsitze in den weiten Steppen zwischen Dnjepr und Don umherschweifte, die Männer zu Roß, mit Bogen und Pfeil bewaffnet, nur den Krieg, den sie mit wilder Roheit führten, als eine des Mannes würdige Beschäftigung betrachtend, die Weiber und Kinder in großen Zelten hausend, die als wandernde Häuser auf vier⸗ oder sechsräderigen, mit Ochsen bespannten Karren mitgeführt wurden. Weit zahlreicher als die königlichen S. waren aber die diesen unterworfenen Stämme, teils ebenfalls Nomaden, teils Ackerbauer, die gegen jährlichen Tribut an den herrschenden Stamm feste Wohnsitze und eigene Ländereien besaßen, wie die Kallipiden und Alazonen an der Mündung des Bug und die weiter östlich wohnenden, vorzugsweise «die Ackerbauer v genannten S. Das Volk war aus dem innern heteirtene Kran Westen vorgerückt. Eine vielfach ittene Frage ist die nach der Abstammung der S. Während nämlich die einen, nach Niebuhrs Vorgange, sie dem mongol. Stamm zurechnen, betrachten andere sie als Angehörige der arischen Völkerfamilie, insbesondere des iranischen Stammes, also als Stammverwandte der Medo-Perser. Für die Richtigkeit der letzten Ansicht, wenigstens in Betreff der cköniglicheno S., werden sowohl die sehr naturwahren Darstellungen von S. auf mehrern neuerdings in alten skyth. Gräbern im sudl. Rußland entdeckten Bildwerken, die in Bezug auf Physiognomie und Körperbau entschieden vom mongol. Typus abweichen, als auch die freilich spärlichen überbleibsel (etwa 60 Namen und Wörter) der styth. Sprache geltend gemacht. Mit den Griechen am Nordgestade des Schwarzen Meers und am Asowschen Meere in Orten wie Olbia, Herakleia, Pantikapaion, Tanais, Phanaggoria, standen die S. in lebhaftem Verkehr, der vielfach auch zur Vermischung des hellenischen und skyth. Elements führte. Während früher die S. ihre Unabhängigkeit gegen feindliche Angriffe (wie namentlich bei der Invasion ihres Landes durch den pers. König Darius 513 v. Chr.) glücklich verteidigt hatten, wurden sie mit Alexanders d. Gr. Zeiten von ihren Nachbarvölkern, besonders von den Sarmaten (s.d.) unterjocht, nach welchen dann das früher Skythien genannte Land Sarmatien benannt wurde. Seit der röm. Kaiserzeit ward das ganze nördl. Asien von der Wolga im Westen bis zum Lande der Seren im Osten und bis nach Indien im Süden mit dem Namen Skythia bezeichnet und dieses Skythien durch den Berg Imaus (wobei an die Riesengebirge Mittelasiens und die Quellthäler des Orxus und Jaxartes zu denken) in zwei Teile, Skythien diesseit und jenseit des Imaus, geschieden. 8. I., Abkürzung für suo loco, an seinem Orte, oder für sine loco, ohne Ort, d. h. ohne Angabe des Druckorts.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 876Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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