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ReligionBrockhaus 1882

Sokrates, christl. Kirchenhistoriker, geb. um 380 zu Konstantinopel, war Sachwalter daselbst (daher Scholasticus zubenannt). Gleich Sozomenos (s. d.) setzte er die 3305 5.4597 des Eusebius in sieben Büchern von 306 bis 439 fort, ohne große Gelehrsamkeit, dagegen aufrichtig, unparteiisch und auch den Häretikern gegenüber ziemlich liberal. Beste Ausgabe von Valesius (Par. 1668). Vgl. Jeep, «Quellenuntersuchungen zu den griech. Kirchenhistorikern (Lpz. 1884). Schüler und Freunde des Sokrates, die meist in seiner Umgebung waren und durch seine geistanregende Unterhaltung sich bildeten, wie z. B. Xenophon und Aschines. Da Sokrates noch keine philos. Schule im eigentlichen Sinne bildete, sondern gewöhnlich nur über ethische Gegenstände sich mit seinen Zuhörern, die meist schon anderwärts eine sehr verschiedenartige Bildung erhalten hatten, in freier Weise unterhielt, so erklärt sich daraus, wie einige derselben, die der philos. Forschung vorzugsweise sich widmeten, verschiedene Schulen bilden konnten, denen aber immer die hauptsächliche Richtung auf das Ethische gemeinschaftlich war. Einige dieser S. ließen die theoretische Seite der Philosophie fast ganz beiseite, wie Antisthenes, der Stifter der cynischen, und Aristipp, der Stifter der cyrenäischen Schule. Andere betrachteten zwar auch das Praktische als letzten Zweck der Philosophie, suchten aber diesen vornehmlich durch eine ausgebildete Dialektik zu gewinnen, wie Cuklides, der Stifter der Megarischen Schule, und Phädon, der Stifter der Clischen Schule. Plato, der begabteste Schüler des Sokrates, strebte die verschiedenen Seiten der Philosophie zu einem System zu vereinigen. Wie diese Schulen Sokratische hießen, so nannten im weitern Sinn die Alten auch die Schulen Sokratische, die mittelbar mit der Sokratischen Philosophie zusammenhingen, z. B. die Aristoteliker und die folgenden Schulen in Hellas.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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