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GeschichteBrockhaus 1882

Soliman, besser Suleiman II., der hervorragendste unter den osman. Sultanen, von der Geschichte der Große oder der Prächtige, von den Türken Kanüni, d. h. der Urheber des Kanon oder Hausgesetzes, genannt, geb. 1496, war der einzige Sohn Selims J. und regierte 1520—66. Nachdem er die mit Persien bestehenden Zerwürfnisse beigelegt und 1521 den Ungarn die Grenzfestungen Belgrad und Schabatz entrissen, eroberte er das von den Johannitern ruhmvoll verteidigte Rhodus und unternahm sodann einen abermaligen Feldzug gegen Ungarn. König Ludwig II., der sich dem Sultan entgegenwarf, wurde bei Mohacs gänzlich geschlagen und verlor selbst das Leben, worauf viele ungar. Plätze dem Sultan die Thore öffneten. In andere Teile seines Reichs abgerufen, konnte S. erst 1529 seine Eroberungen in Ungarn fortsetzen. Er stellte dem erwählten Nachfolger des Königs Ludwig, dem röm. König Ferdinand I., nach Eroberung Ofens in Johann Zapolya, Fürsten von Siebenbürgen, einen der Pforte lehnspflichtigen Gegenkönig gegenüber, und rückte, um Ferdinand zur Nachgiebigkeit zu zwingen, mit einem mächtigen Heere vor Wien, welches er vom 27. Sept. bis 15. Okt. 1529 wiederholt berannte, ohne es einzunehmen. Nach einem 1532 unter polit. Untertützung Frankreichs unternommenen fernern Kriege in welchem Steiermark arg verwüstet wurde, kam endlich ein Friede zu Stande, durch welchen S. sich das ungar. Tiefland und einen Teil von West⸗ und Mittelungarn abtreten ließ. Nicht minder glücklich war S. an andern Punkten. Seine Flotten unter Chaireddin und Horuk beherrschten einerseits das Mittelmeer bis Gibraltar und beunruhigten andererseits die Portugiesen in ihren ind. Besitzungen Die mohammad. Barbareskenstaaten Nordafrikas erkannten die Oberherrschaft des Sultans an. Ein mit den Persern abgeschlossener Friede dehnte die tärk. Grenzen über Georgien, Wan und Mossul aus. Unter keinem Sultan ist die Idee der islamitischen Weltherrschaft mit so viel Konsequenz und Erfolg zur Geltung gebracht worden, wie unter S., welcher das türk. Staatswesen zu seiner höchsten Entwickelung brachte. Nur Korfu und Malta leisteten seinen Waffen glücklichen Widerstand und in Ungarn konnte 1566 die kleine Festung Szigeth, von dem tapfern Zrinyi verteidigt, erst nach fünfmonatlicher Belagerung genommen werden. In dem Lager vor Szigeth starb S. 5. Sept. 1566, wenige Tage vor der Croberung, den Thron seinem Sohne Selim II. Mohammed hinterlassend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 910Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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