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ReligionBrockhaus 1882

Sorbonne heißt jetzt das in Paris im Mittelpunkt des Quartier latin gelegene Gebäude, in dem sich die theol. Fakultät, die historisch-philologische Lettres) und die naturwissenschaftliche (Sciences) befinden. Ursprünglich hieß S. eine arme Magisterinnung an der alten pariser Universität, und zwar nach ihrem Stifter Robert von Sorbon, Ludwigs des Heiligen Kaplan und Beichtvater. Derselbe hatte um 1250 einen Verein von 16 armen Weltgeistlichen gegründet, die gemeinschaftlich beisammen lehen und sich nur mit Studieren und unentgeltlichem Unterrichte abgeben sollten. Der Ruf dieses armen Magistervereins verbreitete sich bald über ganz Europa. Seine Mitglieder waren in der Folge stets Doktoren und Professoren der Theologie an der pariser Universität, und sein Ansehen stieg so hoch, daß sein Rame auf die ganze theol. Fakultät dieser Universität überging. Die Gutachten und Beschlüsse der S. als Fakultät hatten einen entscheidenden Einfluß auf den Geist und die nationale Gestaltung des Katholizismus in Frankreich. Den Jesuiten nicht weniger feind als der Reformation, hielt die S. streng auf die Freiheitet der Gallikanischen Kirche. Sie wider ulle Unigenitus und stand in den Jansenistischer Streitigkeiten zwar nicht auf der Seite des Port-Royal, doch der jesuitischen Partei immer entgegen. In spätern Zeiten ließ sie sich mehr die Verteidigung der Rechte als die Vervollkommnung der wissenschaftlichen und praktischen Behandlung des alten Glaubens angelegen sein. Um diesem Streben etce oltege-Woral der Franz I. 1530 das ihr feinde College-Royal, das heutige Collége de France. Indessen hatten sich auch bessere Regungen geltend gemacht: zwei Mitglieder, Pichot und Lapierre, gründeten 1470 in der S. die erste franz. Buchdruckerei, trotz der Verfolgungen, deren Fust in Paris ausgesetzt gewesen war. Ihr pedantischer Eigensinn und ihre beschränkte Orthodoxie setzte die S. jedoch in einen ungünstigen Kontrast mit den Philosophen und den freisinnigen Schriftstellern des 18. Jahrh., und ihre Verdammungsurteile über die Schriften des Helvetius, Rousseau und Marmontel brachten sie dermaßen ins Gespött, daß sie ihr hohes Ansehen längst verloren hatte, als Ludwig XVI. durch Dekret vom 5. April 1792 ihrem Bestehen ein Ende machte und ihre Gebäude als Nationalgut in Beschlag nahm. Bei der nachherigen Wiedereinrichtung des öffentlichen Unterrichtswesens in Frankreich unter Napoleon I. wurden ihre stattlichen, vom Kardinal Richelieu (1635 —53) errichteten Gebäude als Lokal für die Vorlesungen der drei obengenannten Fakultäten in Paris angewiesen, und diese Bestimmung haben sie seitdem behalten. Vgl. Duvernet, «Histoire de la S. (deutsch, 2 Bde., Straßb. 1792); Franklin, La Sorbonne (Par. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 940Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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