Spekulation (lat.) heißt wörtlich Erforschung, Erspähung. Der philosophische Sprachgebrauch versteht aber unter S. nicht sowohl die Erforschung äußerer Gegenstände, als vielmehr die innere, geistige Erfassung eines die unmittelbare Erfahrung überschreitenden Erkenntnisinhalts, sowie die geistige Thätigkeit, welche zu dieser Erkenntnis führt. Je nach den verschiedenen Ansichten über die Quelle einer solchen Erkenntnis und den Methoden, welche zu ihr führen, haben die Ausdrücke S. und spekulatives Wissen in den verschiedenen philos. Systemen eine verschiedene Bedeutung, und man hat darunter bald überhaupt ein Erkennen durch strenges begriffsmäßiges Denken, bald ein nach gewissen durchgreifenden Denkmethoden im eigentlichen Sinne geschultes Denken, bald eine Feststellung der ersten Grundsätze oder Thatsachen alles Bewußtseins oder Erkennens verstanden. Meist versteht man darunter ein über die gewöhnliche Denkthätigkeit hinausgehendes, in spezifisch philos. Methode sich ergehendes Grübeln. Impraktischen Leben wird die Anwendung des Wortes Spekulation auch auf den Entwurf mehr oder minder kühner, eine gespannte Überlegung erfordernder Pläne und Unternehmungen ausgedehnt, sodaß man z. B. von industriellen oder kaufmännischen S. spricht. Man bezeichnet daher mit S. oder Spekulationskauf ein Geschäft in Hoffnung auf Gewinn durch das Eintreten von Ereignissen oder Umständen (Konjunkturen), die von den Interessenten nicht direkt abhängen; ein solches findet namentlich bei Waren und bei Wertpapieren statt, welche starken Preis- oder Kursveränderungen unterworfen sind. Wertpapiere solcher Art heißen daher auch Spekulationspapiere, der Unternehmer solcher Geschäfte Spekulant. Spekulationsmanöver nennt man absichtliche Unternehmungen der interessierten Personen zur Beeinflussung der Kurse.