Spoleto, Stadt und Bezirkshauptort in der ital. Provinz Perugia, 90 kKmim NNO. von Rom, an der Mareggia, Station der Linie Ancona-Orte der Römischen Eisenbahnen, ist mit steilen, engen und winkeligen, aber reinlichen und gutgepflasterten Gassen an einem Hügel hinaufgebaut, dessen Gipfel die alte Burg trägt. S. ist Sitz eines Erzbischofs und zählt (1881) 9022 (Gemeinde 21539) CE., die zum Teil von der Herstellung von Fleisch⸗, Frucht- und Gemüsekonserven leben. Die Burg (Castello La Rocca), vom Ostgoten Theodorich d. Gr. erbaut, von Narses hergestellt, später mit vier Türmen vom Kardinal Albornoz verstärkt, 1155 vom Kaiser Friedrich I., 30. März 1831 von den Insurgenten unter Sercognani eingenommen, 18. Sept. 1860, nach tapferer Gegenwehr durch den Irländer Major O Reilly, von den Piemontesen erobert, dient jetzt als Strafhaus; sie gewährt ein prachtvolles Panorama. Die Stadt hat mehrere ansehnliche Paläste und über 20 Kirchen. Die hochgelegene Kathedrale Sta. Maria Assunta, nach 1153 erbaut, doch oft verändert und namentlich im Innern 1644 erneut, hat an der Vorderseite (aus dem 13. Jahrh.) fünf Bogen mit antiken Säulen, einen Fries mit Greifen und Arabesken, über dem Eingang ein großes Mosaik des Solsernus von 1207, im Chor Fresken von dem hier 1469 gestorbenen und im Dom bestatteten Fra Filippo Lippi, vollendet nach dessen Tode von Fra Diamante 1470, im Winterchor Schnitzwerk von Bramante und Gemälde von Lo Spagna; aus dem Altertum sind vorhanden überreste antiker Tempel der Concordia, des Jupiter und des Mars, einer röm. Brücke über die Mareggia,‚ eines röm. Theaters, des sog. Palastes Theodorichs u. s. w. Großartig ist die 206 m lange und 81 m hohe, auf 10 Bogen ruhende Wasserleitung Ponte delle Torri, die zugleich als Brücke von der Stadt über eine tiefe Schlucht nach dem 7 Km entfernten Monte-Luco führt, wahrscheinlich zuerst von Herzog Theodolapius (604J), in seiner jetzigen Gestalt 1355 erbaut. Der dichtbelaubte Monte-Luco hat eine Menge Einsiedeleien, die jetzt meist als Landhäuser benußt werden. Der Palazzo pubblico der Stadt und der Convento di San-Domenico haben Gemälde von Spagna. Im Altertum hieß die Stadt Spoletium und war eine der beträchtlichsten Städte Umbriens. Sie wurde 241 v. Chr. eine röm. Kolonie latinischen Rechts und bekannt durch die standhafte Verteidigung gegen Hannibal nach dessen Siege am Trasimenischen See 217, weshalb noch jetzt ein Bogen in der Stadt Porta d Annibale heißt. Im J. 82 v. Chr. erlitt hier der Marianer Carrinas eine Niederlage durch Pompejus und Crassus. Von den Goten wurde die Stadt zerstört, durch Narses aber wieder aufgebaut. Während der longobardischen Herrschaft in Italien erhob sie sich 574 zum Herzogtum, das am Ende des 9. Jahrh. den größten Teil des östl. Mittelitalien umfaßte, sodaß sich Herzog Guido von Spoleto zum König und 891 zum röm. Kaiser machte; auch sein Sohn Lambert 898 behielt diese Würde bei. Später bildete sich aus dem Herzogtum S. die Mark Ancona, deren Grafen zeitweise das ganze Herzogtum beherrschten. Seit etwa 1220 gehörte es bis 1860 zum Kirchenstaat, nachdem die Päpste schon frühzeitig als Herren desselben sich betrachtet hatten.