FeedStaatstasse
GeschichteBrockhaus 1882

Staatstasse, bezeichnet in der Regel einen Vorrat von barem Gelde und Edelmetall, den der Staat für Fälle des außergewöhnlichen Bedarfs größerer Mittel zu seiner Verfügung hält. Je weniger der moderne Staatskredit und das Staatsschuldenwesen entwickelt war, um so größer war die Bedeutung des S., namentlich für die kriegerische Schlagfertigkeit eines Staats. Daher war diese Einrichtung in den Staaten des Altertums allgemein verbreitet, wenn auch in den Monarchien, z. B. bei den Persern, der S. mit dem Schatze des Herrschers zusammenfiel, wie das auch gegenwärtig in Betreff der Schätze der ind. Fürsten, des Sultans von Marokko u. a. gilt. Unter den modernen Staaten hat namentlich Preußen mit Friedrich Wilhelm IJ. die Tradition der Ansammlung eines S. festgehalten. Durch die Kriege der Napoleonischen Periode wurde derselbe allerdings erschöpft, 1820 aber wiederhergestellt und mit gewissen Einnahmen ausgestattet. Bei dem Kriege von 1866 war das Vorhandensein eines S. für die preuß. Regierung von großer Wichtigkeit, und derselbe wurde daher auch durch das Gesetz vom 28. Sept. 1866 wieder neu dotiert. Nach der Gründung des Reichs trat an die Stelle des preußischen S. auf Grund des Gesetzes vom 11. Nov. 1871 ein Reichskriegsschatz im Betrage von 120 Mill. Mark, die der franz. Kriegsentschädigung entnommen und in gemünztem Golde in Spandau hinterlegt wurden. Diese Summe soll speziell zur Deckung der ersten Kosten einer Mobilmachung verwendet werden. Die finanzielle Bedeutung dieses S. wird oft überschätzt. Die sofortige Beschaffung großer Summen ist bei dem heutigen Stande des Bankwesens und dem gewachsenen Nationalreichtum Deutschlands leicht, und wenn die Anleihebedingungen bei drohender Kriegsgefahr auch verhältnismäßig ungünstig werden, so steht dem andererseits der dauernde Zinsverlust während der Friedensperiode gegenüber,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 126Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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