Stahr (Adolf Wilh. Theod.), vielseitiger Schriftsteller und Gelehrter, geb. 22. Okt. 1805 zu Prenzlau in der Ukermark, widmete sich seit 1825 zu Halle klassischen Studien. Schon gegen Ende 1826 wurde er als Hilfslehrer und zwei Jahre später, nach vollendetem akademischen Kursus, als ordentlicher Lehrer am Pädagogium zu Halle angestellt. Im J. 1836 folgte er dem Rufe als Konrektor und Professor an das Gymnasium zu Oldenburg. Er veröffentlichte zunächst KAristotelia (2 Bde., Halle 1830—32); ferner 4Aristoteles bei den Römern ⸗ (Lpz. 1834) und die Bearbeitung der Aristotelischen „Politik˖, wovon indes nur der erste Teil (pz. 1836 -38) erschienen ist, der neben dem gesamten kritischen Apparat eine neue Textrecension und deutsche UÜbersetzung enthält. Zugleich nahm er lebhaften Anteil an den „Hallischen Jahrbüchern». Außerdem machte er eine Handschrift von Goethes „Iphigenies, die er auf der Bibliothek zu Oldenburg entdeckte, mit einem trefflichen Vorworte bekannt. Infolge einer Reise nach Italien veröffentlichte er Ein Jahr in Italien⸗ (3 Bde., Oldenb. 1847—50; 4. Aufl. 1874) und den histor. Roman «Die Republikaner in Neapel» (3 Bde., Berl. 1849). Ferner erschienen die anziehenden Schriften: „Charatteristik Immermanns»(Hamb. 1812), 4Zwei Monate in Paris⸗ (2Bde., Oldenb. 1851), Weimar und Jenar (2 Bde., Oldenb. 1852; 2. Aufl. 1871) und „Die preuß. Revolutionv (2 Bde., Oldenb. 1850, 2. Aufl. 1852). Nachdem er 1852 seine Entlassung aus dem Amte genommen, wandte er sich nach Berlin, wo er sich dauernd niederließ und 1855 in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Fanny Lewald (s. d.) vermählte. Dem bereits seit längerer Zeit vorber.iteten Werke Torso, oder Kunst, Künstler und Kunstwerke der Alten » (2 Bde., Braunschw. 1854—55; 2. Aufl. 1878) folgten 4G. E. Lessing, sein Leben und seine Schriften» (2 Bde., Berl. 1858, 8. Aufl. 1877), sowie als Früchte eines dreimonatlichen Aufenthalts in Paris und einer wiederholten Reite nach Italien;: Nach fünf Jahren (2 Bde., Old nb. 1856) und „Herbstmonate in Oberitalien (Oldenb. 1859; 2. Aufl. 1871). Seitdem kehrte S. zu den Altertumsstudien zurück. Außer der Schrift „Aristoteles und die Wirkung der Tragödies (Berl. 1859) veröffentlichte er Ubersetzungen eines großen Teils der Werke des Aristoteles, der Kaiserbiographien Suetons und der Geschichte Herodians. Dem schlossen sich an die Bilder aus dem Alt rtum» (Berl. 1863 —66) in vier Teilen (Tiberiusv, 2. Aufl. 1873; „Kleopatra, 2. Aufl.1879; «Kaiserfrauen und Agripina, die Mutter Neroso), von denen namentlich er erste und vierte Teil wegen der kritischen Anzweiflung der Unparteilichkeit des Tacitus viel Widerspruch erregten. Im J. 1871 veröffentlichte er eine neue übersetzung und Erklärung der »Annalene» des Tacitus, Buch 1—VI, zur Rechtfertigung seiner Ansichten über Tacitus. Dazwischen hatte er, veranlaßt durch Kaulbachs Goethe-Galeries, eine Erklärung von „Goethes Frauengestaltend (2 Bde., Berl. 1865—66; 6. Aufl. 1878) herausgegeben. Die 2. „ 1866 — 68 brachte S. in Italien und in der Schweiz zu. Als Frucht dieser Reise veröffentlichte er gemeinschaftlich mit Fanny Lewald: „Ein Winter in Romo (Berl. 1869; 2. Aufl. 1871) und eine Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel «Ein Stück Leben⸗ (Berl. 1869). Ihnen folgten Aus der Jugendzeit »(2 Bde., Schwerin 1870—77), mit denen S. den Anfang zu seiner Biographie gemacht hatte, und 4Kleine Schriften zur Litteratur und Kunsts (4 Bde., Berl. 1872—75). S. starb 3. Okt. 1876 in Wiesbaden. Vgl. Glaser, «Adolf S. Ein biographischer Essayr lin »Unsere Zeite, Jahrg. 1876, 2. Hälfteh.