Stedinger, d. h. Gestadebewohner (abgeleitet vom altsächs.stath, Gestade), hieß die wahrscheinlich aus sächs. und fries. Elementen gemischte Bevölkerung, welche auf dem linken Ufer der Weser an der Ochtum und Hunte im jetzigen Großherzogtum Oldenburg (vormals Weststedingen, jetzt Stedingerland) und gegenüber auf dem rechten Weserufer bis zur Drepte und Lüne in der jetzigen preuß. Propinz Hannover (vormals Oststedingen, jetzt Ost erstade) wohnte. Das Land gehörte zum Erzbistum Bremen, während die Grafen von Oldenburg in einem Teile desselben als Vizegrafen fungierten. Die S. suchten dem Beispiel der benachbarten unabhängigen Friesen nachzueifern; die landesherrlichen Burgen in Weststedingen wurden um 1200 und 1204 überrumpelt und zerstört. Während des 1207 entbrannten Kampfes um den erzbischöfl. Stuhl hielten die S. trotz des päpstl. Bannstrahls zu dem Prätendenten Waldemar. Erst 1216 traten sie zu Waldemars Gegner, dem Erzbischof Gerhard I. (gest. 1219) über, der mit ihrer Hilfe den Sieg davontrug. Diese Waffenthaten steigerten das trotzige Selbstbewußtsein der S.; sie hielten seitdem die schuldigen Abgaben zurück und gaben den Mahnungen kein Gehör. So entschloß sich Erzbischof Gerhard II. (1219—58), Gewalt zu brauchen. Aber seine Heeresmacht ward Weihnachten 1229 geschlagen, und sein Bruder, Hermann von der Lippe, fiel im Kampfe. Nun ließ Gerhard II. auf der Synode zu Bremen 17. März 1230 die S. als Ketzer verdammen, und auf sein Ansuchen beauftragte Papst Gregor IX. 29. Okt. 1232 die Bischöfe von Lübeck, Ratzeburg und Minden, einen Kreuzzug gegen die S. predigen zu lassen. Die S. schlugen das Kreuzheer im Winter 1232 —33 zurück und bedrohten sogar die Städte Oldenburg und Bremen. Dagegen ward auf einem zweiten Kreuzzug, 26. (29.) Juni 1233, Oststedingen bezwungen, die Gefangenen wurden als Ketzer verbrannt. Als die Kreuzfahrer im Spätsommer 1233 Weststedingen angriffen, erlitten sie eine Niederlage, und der Anführer, Graf Burchard von Oldenburg, ward erschlagen. Unterdes hatten wiederholtepäpstl. Bullen und die Kreuzpredigt der Bettelmönche den religiösen Fanatismus im weiten Umkreise entflammt. Das Kreuzheer, das sich in Bremen sammelte, überschritt 27. Mai 1234 auf einer Schiffbrücke die Ochtum und stieß bei Altenesch auf die Hauptmacht Weststedingens. Nach furchtbarem Kampfe, in dem Graf Heinrich von Oldenburg fiel, unterlagen die Bauern; nur wenige entkamen zu den Friesen. Das Land ward zum Teil mit fremden Kolonisten besetzt und durch neuerbaute Zwingburgen, darunter namentlich Delmenhorst, im Gehorsam erhalten. Auf dem Schlachtfelde von Altenesch ist, an der Stätte einer verfallenen Kapelle, 27. Mai 1834ein Denkmal «Stedingsehrer errichtet. Vgl. Schumacher, «Die S., Beitrag zur Geschichte der Wesermarscheno (Brem. 1865).