FeedStremayr (Karl von)
GeschichteBrockhaus 1882

Stremayr (Karl von), österr. Minister, geb. 30. Okt. 1823 in Graz, widmete sich daselbst juristischen Studien, trat dann bei der Finanzverwaltung in den Staatsdinst. Aus dem steirischen Murgthal wurde er in die frankfurter Paulskirche gewählt, woselbst er dem Bureau als Schriftführer angehörte und ein geachtetes Mitglied der großdeutschen Partei war. Später war S. als Staatsanwalt in Graz und gleichzeitig als Docent an der Universität thätig. Im J. 1861 als Abgeordneter der Stadt in den Landtag gewählt, zeichnete er sich als Landesausschuß in der autonomen Landesverwaltung besonders aus, sodaß ihn Giskra 1868 als Ministerialrat in das Ministerium des Innern berief. Im Kabinett Hasner vom 1. Febr. bis 12. April 1870 war S. zum ersten mal Unterrichtsminister; dieselbe Stelle nahm er im Kabinett Potocki (Mai 1870 bis Febr. 1871) und im Kabinett Auersperg vom 25. Nov. 1871 bis 15. Febr. 1879 ein. In die letzte Amtsperiode fällt die konfessionelle Reformgesetzgebung. Nach dem Rücktritt Auerspergs blieb S. noch als Justizminister einige Monate im Kabinet Taaffe (Aug. 1879) und wurde dann Senatspräsident am Obersten Gerichtshofe. Dem Reichsrat gehörte S. während seiner Ministerschaft als Abgeordneter für Leibnitz an, schied aber 1879 ganz aus dem Reichsrat und damit aus dem polit. Leben. Streng (August), namhafter Mineralog, geb. 4. Febr. 1830 zu Frankfurt a. M., studierte auf dem Polytechnikum in Karlsruhe, dann in Marburg und ging hierauf als Assistent Bunsens nach Breslau und 1852 nach Heidelberg, wo er sich 1853 für Chemie habilitierte. Bald darauf wurde er Lehrer der Chemie an der Bergschule (spätern Bergakademie) in Clausthal, und 1862 Professor daselbst; 1867 kam er als ord. Professor der Mineralogie an die Universität Gießen. Nach anfänglichen Untersuchungen über analytisch-chem. Gegenstände wurden von ihm die wichtigsten krystallinischen Gesteine des Harzes (Melaphyre, Porphyrite, Porphyre, Gabbro, Enstatitfels und Serpentin) mineralogisch und chemisch bearbeitet, ebenso die Diorite des Kyffhäuser. Dann folgen mikroskopische Forschungen über die Gesteine von Minnesota, über Felsarten von der Nahe, sowie die Porphyrite von Ilfeld. Ferner untersuchte er mit Erfolg teils mineralogisch, teils chemisch die Feldspate, viele Glieder der Zeolithgruppe, den Prehnit, Rittnigerit, Proustit, Silberkies, Magnetkies, eine Reihe von Phosphaten etc. Auch verdankt man ihm mehrere wichtige mikrochemische Reaktionsmittel von großer Schärfe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 300Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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