FeedStrümpell (Ludw. Adolf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Strümpell (Ludw. Adolf), namhafter deutscher Philosoph, geb. 23. Juni 1812 in dem braunschw. Städtchen Schöppenstedt, erhielt seine Göymnasialbildung in Braunschweig und ging 1830 auf die Universität Königsberg, wo er unter Herbarts Leitung Philosophie studierte. Nach Erwerbung der Doktorwürde (1833) lebte S. zur Ergänzung seiner Studien in Leipzig und trat dann als Erzieher in das Haus des Grafen Medem auf Alt-Autz in Kurland ein. Im J. 1843 habilitierte er sich als Privatdocent an der Universität Dorpat, erhielt daselbst 1845 die außerord., 1849 die ord. Professur der Philosophie, mit welcher später auch das Fach der Pädagogik verbunden wurde, und war in dieser Stellung bis 1870 thätig, in welchem Jahre er mit dem Titel eines Professor emeritus aus dem russ. Staatsdienst ausschied, nachdem er 1865 für Auszeichnung im Dienste zum Wirkl. Staatsrat ernannt worden war. Im J. 1871 siedelte S. nach Leipzig über, wo er zunächst als Privatdocent eine philos. Lehrthätigkeit neu begann. Im J. 1872 wurde er ord. Honorarprofessor und trat als solcher wieder in den Staatsdienst. Obwohl einer der hervorragendsten Vertreter der Herbartschen Philosophie, hat S. doch schon früh, wie aus seiner Kritik der Herbartschen Metaphysik erhellt, sich eine selbständige Stellung zuihr gewahrt. Unter seinen Schriften aus der frühern Zeit ist die bemerkenswerteste Die Geschichte der Philosophie der Griecheno (2 Abteil., 2 Bde., Lpz. 1854—61). Außer Beiträgen zu Zeitschriften sind noch hervorzuheben: Erläuterungen zu Herbarts Philosophiev (Gött. 1834), Die Hauptpunkte der Herbartschen Metaphysik kritisch beleuchteto (Braunschw. 1840), Die Pädagogik der Philosophen Kant, Fichte, Herbart» (Braunschw. 1843), (Vorschule der Ethiks (Mitau 1845), «Entwurf der Logiks (Mitau 1846), Die Universität und das Universitätsstudiumo (Mitau 1848), Der Vortrag der Logik und sein didaktischer Wert für die Uni⸗ (Lpz. 1869). Seitdem er in Leipzig lehrt, hat er folgende Arbeiten veröffentlicht: «Der Causalitätsbegriff und sein metaphysischer Gebrauch in der Naturwissenschafte (Lpz. 1871), «Die zeitliche Aufeinanderfolge der Gedanken (Berl. 1872), «Die Natur und Entstehung der Träumes (Lpz. 1874), Die Geisteskräfte des Menschen, verglichen mit denen der Tieres (Lpz. 1878), Psychologische Pädagogiks (Lpz. 1880), „Grundriß der Logiko (Lpz. 1881), (Grundriß der Psychologies (Lpz. 1884), «Die Einleitung in die Philosophie vom Standpunkte der Geschichte der Philosophies (Lpz. 1886). Gustav Adolf S., der Sohn des vorigen, geb. 28. Juni 1853 zu Neu-Autz in Kurland, studierte 1870—72 in Dorpat, 1872 — 75 in Leipzig Medizin, wurde 1875 Assistenzarzt im städtischen Krankenhause, 1878 Privatdocent der Medizin an der Universität zu Leipzig und 1882 außerord. Professor. Im J. 1886 folgte er einem Rufe als ord. Professor und Direktor der Klinik und Poliklinik nach Erlangen. Von seinen Schriften ist hervorzuheben: «Lehrbuch der speziellen Pathologie und Therapie der innern Krankheiten (2 Bde., Lpz. 1883; 2. Aufl. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 315Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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