FeedStruthio (lat.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Struthio (lat.), der Strauß. Struve (Friedr. Adolf August), bekannt durch seine künstliche Nachahmung der natürlichen Mineralwässer, geb. 9. Mai 1781 zu Neustadt bei Stolpen, bezog 1794 die Fürstenschule zu Meißen, 1799 wdie Universität zu Leipzig und 1800 die zu Halle, wo er auch 1802 die mediz. Doktorwürde erwarb. Nach einem längern Aufenthalt in Wien ließ er sich 1803 in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder, übernahm nach dem Tode seines Vaters 1805 dessen Praxis, vertauschte aber dieselbe seiner schwachen Gesundheit wegen noch in demselben Jahre mit chem. Beschäftigungen in der Salomonisapotheke zu Dresden, die er käuflich an sich brachte. Ein verunglücktes Experiment mit der Blausäure zog ihm eine lebensgefährliche Krankheit zu, die ihn nötigte, mehrmals Mineralwasserkuren zu Karlsbad und Marienbad zu gebrauchen, deren günstiger Erfolg ihn auf die Idee leitete, diese natürlichen Wässer künstlich nachzubilden. Wie nahe er nach zehnjähriger Anstrengung seinem Ziele gekommen, beweisen die zahlreichen Anstalten für den Gebrauch seiner Nachbildungen und der Nutzen, den sie stiften. Er unternahm, um diese Anstalten selbst einzurichten, längere Reisen, blieb aber selbst immer leidend und starb in Berlin 29. Sept. 1840. Er schrieb „Üüber Nachbildung der natürlichen Heilquelleno (2 Hefte, Dresd. 1824-26). Wesentlich gefördert wurden seine praktischen Bestrebungen durch seinen Sohn, Gustav Adolf S., geb. 11. Jan. 1812 zu Dresden. Derselbe erhielt seine wissenschaftliche Bildung auf dem Gewerbe-Institut und der Universität zu Berlin, kehrte hierauf nach Dresden zurück, hielt daselbst Vorlesungen über die chem. Wissenschaften und übernahm die Leitung der väterlichen Geschäfte. Mit dem besten Erfolge wirkte er für die Verbreitung der künstlichen Mineralwässer und unterstützte in den verschiedensten Städten die Gründung Struvescher Mineralwasseranstalten. Den Wirkungskreis derselben erweiterte er dadurch, daß er kohlensaure Wässer einführte, welche verschiedene Arzneistoffe oder Arzneiformen einverleibt enthalten und als Heilmittel vielfachen Beifall gefunden haben. Nach dem 1880 erfolgten Rücktritt Gustav Adolf S.s übernahm dessen Sohn Oskar S., geb. 5. Juli 1838 zu Dresden, die väterlichen Geschäfte in Dresden und Leipzig. Auf der ersten internationalen pharmaceutischen Ausstellung in Wien 1883 wurden die Struveschen künstlichen Mineralwässer mit dem höchsten Preise, dem Ehrendiplom, bedacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 317Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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