FeedStruve (Friedr. Georg Wilh. von)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Struve (Friedr. Georg Wilh. von), ausgezeichneter Astronom, geb. 15. April 1793 zu Altona, besuchte 1808—11 die Universität Dorpat, wo er sich zunächst den philol. Studien widmete, später aber zur Astronomie überging. Im J. 1813 zum Observator und 1817 zum Director der dorpater Sternwarte ernannt, wandte er sich den Erscheinungen der bis dahin ausschließlich vom ältern Herschel beobachteten Doppelsterne zu und veröffentlichte CObservationes Dorpatensesv (S Bde., Dorp. 1817-39),4Catalogus novus stellarum dupliciumo (Dorp. 1827), «Stellarum duplicium mensurae micrometricaes (Petersb. 1837) und 4Stellarum fixarum, imprimis compositarum positiones mediaer (Petersb. 1852). Als verwandt mit diesen Arbeiten ist anzuführen die von S. zuerst ausgeführte Bestimmung einer Fixsternparallaxe (von Lyrae), ferner seine Untersuchungen über den Bau der Milchstraße, welche teilweise in den Etudes d'astronomié stellaires (Petersb. 1847) veröffentlicht wurden. Nächst der Stellarastronomie war Sis Thätigkeit besonders der praktischen Astronomie und der Geodäsie zugewandt. Schon 1816 wurde er von der livländ. Okonomischen Gesellschaft mit einer Triangulation Livlands beauftragt. Diese 1816 —19 ausgeführte Arbeit bildet die Grundlage zu der 1839 erschienenen Karte jener Provinz. über eine Breitengradmessung in den Ostseeprovinzen (1822—27) berichtete er in Breitengradmessung in den Ostseeprovinzen⸗ (2Bde., Dorp. 1831). Im J. 1828 wurde die baltische Gradmessung mit der gleichzeitig vom General Tenner in den litauischen Gouvernements geleiteten in Verbindung gesetzt und 1830—45 unter S.s Oberleitung von mehrern Gehülfen durch Finland bis Torneä, dann unter seiner Mitwirkung 1845—52 im Einverständnis mit der schwed.⸗norweg. Regierung bis in die Nähe des Nordkaps fortgeführt. Da unterdessen auch Tenner seine Messung nach Süden zu bis zu den südlichsten Punkten Podoliens (1845) weiter geführt hatte und dieselbe dann unter S.s und Tenners gemeinschaftlicher Leitung bis an die Donau ausgedehnt worden war, so ist der auf diese Weise gewonnene russ.⸗skandinav. Meridianbogen von 25 20“ der größte, der bis jetzt überhaupt gemessen worden. Einen ausführlichen wissenschaftlichen Bericht über diese kolossale Arbeit gab S. in der Schrift KAre du méridien entre le Danube et Ja Mer Glaciales (Petersb. 1861). An dieses große geodätische Unternehmen schlossen sich mehrere andere Arbeiten ähnlicher Natur an, wie das unter seiner Leitung von Fuß, Sawitsch und Sabler in den Jahren 1836 und 1837 ausgeführte und von ihm bearbeitete Nivellement zwischen dem Schwaren und dem Kaspischen Meere (Petersb. 1841), sener vielfache Hilfsarbeiten zu den Verbindungen verschiedener russ. Dreiecksnetze untereinander und mit ausländischen, sorgfältige Maßvergleichungen der bei den geodätischen Vermessungen verschiedener Länder gebrauchten Maßeinheiten, die Leitung größerer chronometrischer Expeditionen u. s. w. Die Berichte über dieselben sind in den Mémoiresv der petersburger Akademie niedergelegt. Inzwischen war S. zum ersten Direktor der unter seiner Leitung 1834 -39 erbauten und ausgerüsteten Nikolai-Hauptsternwarter zu Pulkowa bei Petersburg ernannt worden, die er auch in Description de Pobservatoire central de Russies (Petersb. 1845) beschrieb. Er wirkte dort, bis er wegen Kränklichkeit 1858 die Leitung des Instituts seinem Sohne Otto Wilhelm von Struve (s. d.) überließ. Im J. 1862 zog er sich völlig ins Privatleben zurück, worauf er 23. (11.) Nov. 1864 zu Petersburg starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 317Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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