Stur, eigentlich Stur (spr. Schtur, Ljudewit), slaw. Schriftsteller und Publizist, geb. 28. Okt. 1815 im Trentschiner Komitat in Ungarn. Er studierte in Preßburg und Halle und schrieb dann einige deutsche Schriften gegen die Magyaren, gab 1845—48 in Preßburg die Zeitung «Slovenské Novinio mit der litterarischen BeilageOrol Tatranskio heraus, und war 1847 Vertreter von Altsohl im ungar. Reichsrat. Bei Ausbruch des ungar. Aufstandes 1848 floh S. nach Wien, nahm am Slawenkongreß in Prag teil, blieb aber gleichwohl einer der Hauptleiter der Bewegung gegen die Magyaren, die einen Preis auf seinen Kopf setzten. Er starb 12. Jan. 1856 infolge einer Verletzung, die er sich auf der Jagd zugezogen hatte. S. erhob in der genannten Zeitung und einigen andern Schriften statt des bisher üblichen Czechischen das Slowakische (im trentschiner Dialekt) zur Schriftsprache bei den protest. Slowaken. Czechisch erschien von ihm ein tritisches Werk über den Charakter der slaw. Volkspoesie (Prag 1853). Auch hinterließ er ein deutsch geschriebenes Werk im Manuskript:«Das Slawentum und die Welt der Zukunfto, das Ansichten äußerte, welche denen der russ. Slawo—⸗ philen (s. d.) nahe kommen; es wurde von W. Lamanstij ins Russische übersetzt (Mosk. 1867). turdza (Stourdza), eine moldauische Bojarenfamilie, leitet ihren Ursprung von den ungar. Turzos ab, die im 15. Jahrh. nach der Moldau kamen, dort große Besitzungen erwarben und sich in mehrere Linien teilten. Der Großstolnik Sandul S. fluchtete 1711 mit dem Fürsten Kantemir nach Rußland, kehrte zwar später wieder in sein Vaterland zurück, seine bunaen blieb aber seitdem in fortwährender Beziehung zu Rußland, und einzelne Mitglieder nahmen hervorragende Stellen im russ. Staatsdienste ein. Gregor S. war unter dem Fürsten Kallimachi Kanzler der Moldau und als solcher ein thätiger Mitarbeiter ams og. Kallimachischen Gesetzbuch von 1817. Ein Verwandter von diesem war der russ. Geheimrat Alexander Sturdza (. d.), bekannt durch sein Mémoire gegen den freisinnigen Geist der deutschen Universitäten. Der Großbojar Johann S. erhielt 1822 von der Pforte die Würde eines Fürsten der Moldau, welche er bis zur russ. Occupation von 1828 bekleidete. Nachdem das Land infolge des Friedens von Adrianopel in den Genuß eines Teils seiner alten Vertragsrechte, zunächst einer Verfassung getreten, wurde 1834 der Sohn ohanns, Michael S., geb. 1795 zu Jassy, zum Fürsten gewählt. Er war „ausgezeichnet in der Verwaltung, machte sich aber durch Habsucht, sowie durch seine Strenge verhaßt. Nicht im Stande, dem erwachenden Nationalbewußtsein Rechnung zu tragen, und auch von Rußland verlassen, mußte er trotz der Unterdrückung des Aufstandes von 1848 nach dem Vertrag von Balta-Liman im Mai 1849 der Herrschaft entsagen. Als 1859 in der Moldau die Wahl eines Fürsten auf Grundlage der pariser Konvention von 1858 statthaben sollte, erschien er selbst zu Jassy und wurde von einigen Anhängern schon als anerkannter Fürst bewillkommnet. Allein sein eigener Sohn, regor S., geb. 1821, ein begabter, energischer, aber rücksichtsloser Mann, war Mitbewerber. Da sich Vater und Sohn nicht verständigen konnten, schadeten sie sich gegenseitig und fielen beide bei der Wahl durch, indem der indifferente Oberst Cusaals Fürst gewählt wurde. Fürst Michael S. hielt sich seitdem vom Lande ganz fern und lebte in Paris, wo er 9. Mai 1884 starb, während sein Sohn Gregor sich als polit. Redner und wichtiges Mitglied der moldauischen Konservativen hervorgethan hat. Vgl. Michael S., ancien prince regnant de Moldavie. 1839 — 495 (Par. 1874). — Einer andern Linie der Familie gehören die S. von Miclauscheni (in der Moldau) an. Unter diesen ist der bekannteste Demeter S., einer der thätigsten Mitarbeiter an Cusas Sturz während des Triumvirats, sowie unter dem König Karl im Kabinett Bratianus seit 1877 mehrmals Minister des Handels, der Finanzen, des Außern und (Febr. 1886) des Unterrichts.