FeedStüve (Joh. Karl Bertram)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Stüve (Joh. Karl Bertram), hannov. Staatsmann, geb. 4. März 1798 in Osnabrück, studierte in Berlin und in Göttingen. Advokat zu Osnabrück seit 1820, benutzte er seine Mußestunden zu Untersuchungen über die Geschichte seiner Vaterstadt. Nacheinander erschienen von ihm ein dritter Teil von Justus Moösers «Osnabrücker Geschichte, herausgegeben aus des Verfassers handschriftlichem Nachlasses (Berl. 1824), die Fortsetzung der vom Regierungssekretär Friderici und einem Bruder S.s begonnenen „Geschichte der Stadt Osnahrüct aus Urkunden (Bd. 3, Osnabr. 1826), eine Darstellung des Verhältnisses der Stadt Osnabrück zum Stiftes (Hannov. 1824) und noch einige andere, denselben Gegenstand betreffende Abhandlungen. Auf dem Landtage von 1831, dem er seit seiner Erwählung zum Schatrat (Ende 1830) angehörte, wirkte er in der Ablösungsangelegenheit erfolgreich für die bessere Regulierung der auf dem Boden haftenden Steuern. Auch gab er durch den von ihm ausgegangenen Antrag der Stände vom 30. April 1831 den ersten und hauptsächlichsten Anstoß zu der neuen Verfassung. S. wurde hierauf Mitglied der zur Ausarbeitung des Grundgesetzes gewählten Kommission, verfocht die in seiner Schrift «liber die gegenwärtige Lage des Königreichs Hannovery (Jena 1832) ausgesprochenen freisinnigen Grundsätze, geriet aber durch seine Ansichten über die Zusammensetzung der Stände ebenso mit der liberalen Partei wie mit der Regierung in Opposition. Im J. 1833 wurde S. Bürgermeister von Osnabrück und vertrat diese Stadt in der Zweiten Kammer. Am 21. März 1848 ward er als Minister des Innern in das von Bennigsen neu gebildete Ministerium berufen, in welchem er eine hervorragende Stellung einnahm. Der Sieg der Restauration infolge der Einflüsse der österr. Politik führte indessen zur Auflösung dieses Kabinetts (Okt. 1850). S. wandte sich nach Osnabrück zurück, wo er zunächst als Bürgervorsteher wirkte, bis er 1852 sein Amt als Bürgermeister wieder übernahm „welches er 1864 niederlegte. Er starb zu Osnabrück 12. Febr. 1872. Sein Denkmal auf dem Marktplatze in Osnabrück wurde 17. Sept. 1882 enthüllt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 334Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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