Syntax, Syntaxis (grch., d. i. Zusammenstellung, Ordnung), heißt der Teil der Grammatik, welcher sich mit dem Satzbau und den Verhältnissen der Worte im Satze beschäftigt (daher auch Satzlehre genannt), während die andern Teile der Grammatik, Stammbildungs⸗ und Formenlehre das einzelne Wort und seine Form, die Lautlehre die einzelnen Laute und ihre Verhältnisse behandelt. Die beschreibende Syntax hat demnach die Aufgabe, sämtliche Regeln, nach denen die in einer Sprache vorhandenen Formen im Satze gebraucht werden, zusammenzustellen und zu ordnen, z. B. in welchem Sinne und in welchen Verbindungen die Tempora, Modi, Casus u. s. w. angewendet werden, ferner darzustellen, wie die Sätze gebildet werden, welche Satzverbindungen und welche Beziehungen der Sätze untereinander vorkommen. Die Aufgabe der wissenschaftlichen Syntax dagegen ist, die so beobachteten Erscheinungen zu erklären, d. h. in der Grundform und Grundbedeutung jedes einzelnen Elements die Ursache seiner bestimmten Anwendung im Satze zu erkennen; sie setzt also Formenlehre und Satzlehre in die engste Verbindung. Die vergleichende, d. h. einen ganzen Sprachstamm umfassende Grammatik sucht daher auch die den syntaktischen Verhältnissen der Einzelsprachen zu Grunde liegende Satzbildung der Ursprache des betreffenden Sprachstammes zu ergründen. Der Satzbau ist ein verschiedener je nach dem verschiedenen Alter und dem verschiedenen Bau der Sprachen. Der Satzbau des Chinesischen, einer isolierenden Sprache, ist z. B. von dem der flektierenden indogerman. Sprachen im Prinzip verschieden und aus andern Gesichtspunkten zu beurteilen; der Satzbau der roman. Sprachen, als jüngern Formen des Lateinischen, weicht von dem des Latein ab. Hier zeigt sich namentlich, wie eng die Formenlehre mit der Satzlehre zusammenhängt, weil z. B. das Französische den Nominativ und Accusativ nicht mehr unterscheiden kann (pere = lat. pater und patrem), entsteht die Notwendigkeit, das Wort, wenn es Objekt, also Accusativform ist, immer dem Berbum nachzustellen, eine Regel, die das Lateinische nicht kennt. Die historische Syntax versucht die Geschichte der allmählichen Entwickelung und Umbildung der S. in einer und derselben Sprache darzulegen.