Syrische Kirche, in den ersten Jahrhunderten Teil der allgemeinen christl. Kirche, ging seit dem 5. Jahrh. in mehrere Bekenntnisse oder Kirchen auseinander, und in neuerer Zeit ist durch die Einwirkung des röm. Katholizismus die Spaltung noch weiter gediehen. Von der apostol. Zeit an hatte das Christentum in Syrien rasche Verbreitung gefunden, allerdings mehr in den Städten als unter dem aramäisch redenden Landvolk (daher im Orient der Name Aramäer bald die Bedeutung (Heidebekam). Antiochia wurde sogar die Mutterstadt des Heidenchristentums (Apostelgesch. Kap. 13 fg.). Auch Ostsyrien, d. h. Osroéne mit der Hauptstadt Edessa, war schon gegen Ende des 2. Jahrh. christianisiert. Weiterhin drang das Christentum auch in das östl. Mesopotamien mit der Hauptstadt Nisibis und die Tigrisländer vor, war aber hier unter den Persern zeitweise schweren Verfolgungen (Sapor II., Piruz u. a.) ausgesetzt. Als Metropole der ganzen syr. Christenheit galt schon frühe Antiochia; dem Patriarchen von Antiochia wurde 325 zu Nicäa sein Rang bestätigt (erst 451 wurde zu Chalcedon der Bischof von Jerusalem als Patriarch von seiner Jurisdiktion eximiert). Die wissenschaftliche Bedeutung der syr. Kirche stellt sich in der Antiochenischen Theologenschule dar; an sie schlossen sich im 4. Jahrh. unmittelbar an die Schulen von Edessa (Ephrem, s. d.; Ibas von Edessa, gest. um 470, u. a.) und Nisibis (Jakob Nisibenus, gest. um 350, u. a.). Aber schon die christologischen Streitigkeiten des 5. Jahrh. brachten den Riß in diese blühende syr. Gesamtkirche. Die Ostsyrer entschieden sich für die Lehre des Nestorius (s. d.); besonders auf persischem Gebiet breitete sich durch Bischo Barsumas von Nisibis und durch die von der byzan. tinischen Staatsgewalt aus Edessa vertriebenen, aber in Persien mit Wohlwollen aufgenommenen Lehrer den Nestorianismus ungehindert aus, und im J. 498 auf der Synode von Seleucia unter dem Patriarchen Babäus sagte sich die ganze pers. Kirche von der orthodox-griechischen los und gewann bis ins 11. Jahrh. im östl. Asien weite Verbreitung. (S. Nestorianer und Syrische Christen.) Die westsyr. Kirche wurde seit der Synode von Chalcedon 451 durch neue Kämpfe aufs heftigste erschüttert. Die monophysitische Lehre fand, unter Begünstigung der Kaiser Zeno und Anastasius J., hier, wie in Agypten, besonders durch Barsaumas von Edessa, den Mönch Petrus Fullo, Bischof Xenajas (Philoxenus) von Mabug und den Patriarchen everus von Antiochien, viele Anhänger. Unter den Verfolgungen durch Kaiser Justin I. und Justinian JI. gelang es sodann den rastlosen Bemühungen des Jakob Baradäus (s. d.), die Monophysiten des Orients enger zusammenzuschließen. Nach dem Tode des Severus (539) gab er ihm in der Person des Priesters Sergius von Tela einen Nachfolger, und von diesem Sergius läuft die Reihe der sog. (monophysitischen) Patriarchen von Antiochia fort bis heute. Nach jenem Jakob Baradäus erhielten die syr. (auch ägypt.) Monophysiten den Namen Jakobiten (. d.)) obwohl sie sich selbst, wie die Nestorianer, Surjäns (syr. Christen) nennen. Nur noch befestigt wurde diese kirchliche Absonderung, als auch die Monophysiten des Ostens im J. 629 unter einem gemeinschaftlichen Haupt, dem Maphrian oder Primas Orientis (an Stelle des nestorianisch gewordenen Katholikos oder Patriarchen von Seleucia) sich zusammenschlossen: Maruthas (gest. 649) war ihr erster Maphrian mit dem Sitz in Tagrit am Tigris. Er hat neben dem (monoph.) Patriarchen von Antiochia den zweiten Rang. Die Jakobiten nehmen eine einige Natur in Christus an, die aus dem Zusammengehen der göttlichen und menschlichen entstanden ist, verwerfen die Synode von Chalcedon und erkennen die (Räuber-) Synode von Cphesus 449 an. Das Mönchswesen ist bei ihnen sehr beliebt; Bilder und Heiligenverehrung, besonders Mariendienst, haben sie mit der griech. (nicht nestor.) Kirche gemeinsam. Mit den (monoph.) Kopten halten sie Kirchengemeinschaft. Dhr Patriarch, in Antiochia nie geduldet, wohnte lange in Amid Diarbekr), seit 1166 im Kloster zu ez-Zafaräni bei Mardin, seit dem 16. Jahrh. in Caramit bei Amid; er führt seit dem 14. Jahrh. immer den Namen Ignatius. Der Maphrian, früher in Tagrit, wohnt seit 1089 in Mosul. Die Kirche war bis tief ins Mittelalter hinein sehr blühend. (S. Syrische Sprache und Litteratur.) Aber schon gegen Ende des 16. Jahrh. war sie auf etwa 50006 Familien in Syrien, Mesopotamien und Babylonien zusammengeschmolzen. Im eigentlichen Syrien finden sich nur noch kümmerliche Reste. Ihre Kirchensprache ist das Syrische, wie bei den Nestorianern. Im J. 1873 wandte sich der Patriarch an den Erzbischof von Canterbury um Unterstützung. Infolge der monotheletischen Streitigkeiten des 7. Jahrh. sonderte sich noch eine andere Glaubensgemeinschaft aus der allgemeinen Kirche ab, die Maroniten (. d.), die sich seither ziemlich ungeschwächt in den Wildnissen des nördl. Libanon forterhalten haben und, obwohl längst dem röm. Stuhl unterworfen, doch ihre eigenen syr. Liturgien „und Gebräuche bewahren und ihren eigenen Patriar⸗ „chen (von Antiochia) haben, dessen Sitz seit 1440 meist ndas Marienkloster Kanobin auf dem Libanon ist. Gegenüber von diesen Nebenkirchen waren die Christen des orthodox-griechischen Bekenntnisses, von den andern die Melchiten (s. d.) genannt, immer in der Mehrheit, und haben auch jetzt noch die Uberzahl (uber 200000) in der syr. Christenheit. Ihr Gottesdienst ist längst, fast durchaus, in der arabischen Landessprache, aber ihre höchsten und höhern Geistlichen sind Griechen, die nur griechisch verstehen; ebenso wird in ihren höhern Schulen das Griechische gelehrt und gepflegt. Wie vor Alters, haben sie noch immer ihre 2 Patriarchen, den von Jerusalem, der Palästina mit (nominell 8 Bistümern und) etwa 15000 Seelen unter sich hat, aber in Konstantinopel wohnt und in Jerusalem durch einige sog. Bischöfe oder Vikare vertreten wird, und den weit bedeutendern von Antiochia (mit 8 Bistümern), welcher seit 1531 in Damascus und neuestens in Beirut residiert. Von seinem Sprengel wurde im 19. Jahrh. Aleppo abgetrennt und direlt dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt. Endlich aber hat in neuerer Zeit auch die röm.⸗ kath. Kirche mit Erfolg sich geltend gemacht, und befestigt sich durch die Bemühungen der Propaganda und durch den Eifer und das Geschick der Lazaristen, Franziskaner, Jesuiten und anderer Franken immer mehr. Wie die Maroniten seit lange, so ist jetzt auch ein Teil der syrischen Jakobiten und der Melchiten der römischen Kirche uniert, beide jedoch, ebenso wie die Maroniten, mit Beibehaltung vieler ihrer kirchl. Gebräuche (3. B. Kommunion in beiderlei Gestalt, Zulassung von Verheirateten zum Priestergrad) und ihrer gottesdienstlichen Sprache (bei jenen der syr., bei diesen der arab.), und beide je unter einem eigenen Oberhaupt, das sich offiziell Patriarch von Antiochia nennt, im übrigen unter dem Papst und der Propaganda zu Rom steht. Die unierten Jakobiten heißen syrische Kat holiken (etwa 10000 an Zahl); ihr Patriarch hält sich zu Aleppo, selten in Mardin, auf. Die unierten Melchiten heißen griechische Katholiken und sind namentlich in den reichern und vornehmern Familien vertreten. Ihr Patriarch sollte in Damascus residieren, wohnt aber meist in seinem Priesterseminar zu Ain-Teraz auf dem Libanon. Die Geistlichen dieser beiden römisch-unierten Gemeinschaften, wie auch die maronitis chen, sind durch sorgfältigere Bildung denen der ältern Gemeinschaften weit überlegen. Auch die Missionsthätigkeit der Protestanten (besonders der Amerikaner in Beirut/ beginnt sich in Syrien fühlbar zu machen. Vgl. Neale, Iistory of the holy eastern churcho (Lond. 1850); Robinson, Palästinav (Bd. 3, Halle 1841); Silbernagl, Verfassung und gegenwärtiger Bestand sämtlicher Kirchen des Orientso (Landsh. 1865).