FeedTarent (grch. Laras, lat. Tarentum)
GeschichteBrockhaus 1882

Tarent (grch. Laras, lat. Tarentum), eine der bedeutendsten griech. Kolonien in Unteritalien, an der Westküste Calabriens, am nördl. Ende' der weiten, nach ihr benannten Bucht an der Mündung des Flusses Galäsos in einer äußerst fruchtbaren Gegend gelegen, mit einem trefflichen und sehr geräumigen Hafen. Sie wurde an einer Stelle, wo vorher Japygier saßen, von lakedämonischen Auswanderern, den sog. Partheniern (d. h. nach einer spätern Deutung Jungfernkinder), die Ausgang des ersten messenischen Kriegs geboren waren, unter Führung des Phalanthos 705 v. Chr., gegründet und gelangte bald zu hoher Blüte und großem Reichtum, ja zu einer Art von dominierender Siellung unter den griech. Städten Italiens, war aber auch ein Hauptherd des Luxus und der Uppigkeit. Nachdem die Stadt seit der Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. der Angriffe der Lucaner und anderer benachbarter Stämme nur mühsam mit Hilfe griech. Söldnerführer sich 2160 erwehren können, wurde sie 282 v. Chr. in Krieg mit Rom verwickelt, der trotz der anfänglichen glänzenden Erfolge des von ihr zu Hilfe gerufenen Königs Pyrrhus von Epirus 272 mit der Eroberung der Stadt durch die Römer endete. Während des zweiten Punischen Kriegs erhob sie sich gegen Rom und ergriff die Partei des Hannibal (212 v. Chr.), wurde aber 207 wieder unterworfen und nun von den Siegern mit großer Härte behandelt; 123 v. Chr. wurde dort eine röm. Kolonie angelegt, welche den Namen Colonia Neptunig erhielt, neben der aber das griech. Gemeinwesen fortbestand. T. blieb, obgleich es an Glanz und Größe gegen die fruhere Stadt einbüßte, immer noch ein ansehnlicher Hafenplatz, aus welchem die reichen Landesprodukte, besonders Wein, Obst und Wolle ausgeführt wurden; auch durch ihre Purpurfärberrien war sie berühmt. Jetzt nimmt ihre Stelle Taranto (s. d.) ein. Neuerdings sind hier Ausgrabungen veranstaltet und namentlich große Mengen Terracotten gefunden worden. Vgl. R. Lorentz, «De civitate veterum Tarentinorum „ (Lpz. 1833); Doehle, „Geschichte T.s bis auf seine Unterwerfung unter Romp (Straßb. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 478Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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