Tassoni (Alessandro), ital. Dichter, geb. in Modena 1565, aus angesehener Familie, aber arm an Glücksgütern, studierte zu Bologna und Ferrara und ging 1597 nach Rom. Als Sekretär des Kardinals Ascanio Colonna begleitete er diesen 1600 nach Spanien, lebte nach dessen Tode eine Zeit lang in Rom von schriftstellerischen Arbeiten, trat in die Dienste des Kardinals Moritz von Savoyen, dann in die des Kardinals Ludovisi, bis er endlich an den Hof seines Landesherrn Herzogs Franz I. von Este kam und 1635 in Modena starb. T. hat sich in manchen Fächern versucht, in allen mit Talent, in mehrern mit Originalität, wenngleich nicht frei von Bizarrerie und Gesuchtheit. In seiner Jugend verfocht er die Ansicht, daß die Modernen den Alten als Schriftsteller nicht nachstehen, aber er stand mit den «Considerazioni sopra il Petrarcao, 1609, gegen die übertriebene Bewunderung dieses Dichters auf und erregte damit heftige Polemik. Gewissermaßen ein neues Genre, das komische Epos, unabhängig von den Paladinen-Epopöen des 15. und 16. Jahrh., schuf er in der Secchia rapita v (. Ausg., Par. 1622, dann sehr oft, deutsch von P. L. Kritz, «Der geraubte Eimer v, Lpz. 1842), welche ein um die Mitte des 13. Jahrh. in einer Fehde zwischen Modena und Bologna vorgekommenes Faktum mit unverwüstlichem Humor und reichster Erfindungsgabe behandelt und deren Figuren heute noch in Italien populär geblieben sind. Auch von seiten der Sprache und des Versbaues ist dieses Gedicht mit Recht geschätzt. Als polit. Schriftsteller ist T. erst in unserer Zeit mehr beachtet worden, aber diese polit. Schriftstellerei hat auf die Wechsel seines Lebens großen Einfluß geübt. Zur Zeit der Opposition des Herzogs Karl Emanuel von Savoyen gegen Spanien und den span. Einfluß in Italien schrieb er die ilippiche contra gli Spagnuolio (vollständige Ausg. mit andern polit. Aufsätzen T.s, Flor. 1855), leidenschaftlich übertrieben, aber von Wert für die Kenntnis der ital. Zustände im ersten Drittel des 17. Jahrh., vom Verfasser verleugnet, aber doch einer der Anlässe zu seinem Ausscheiden aus dem piemont. Dienst, als der Herzog sich mit Spanien versöhnte. T. schrieb auch ein kirchengeschichtliches Annalenwerk, das bis 1400 reicht und oft den Baronius widerlegt.