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ErdkundeBrockhaus 1882

Stadt Bergamo hat ihm eine Statue errichtet. Friedr. Schlegel sagt in der „(Geschichte der alten und neuen Litteraturꝰ über T.: &«Etwas jünger als Camoens ist T., der uns schon durch seine Sprache und zum Teil auch durch seinen Inhalt näher steht, indem die Kreuzzüge die ganze Fülle des Ritterlichen und Wunderbaren mit dem Ernste der geschichtlichen Wahrheit verbinden. Nicht bloß eine poetische, sondern auch eine patriotische Begeisterung für die Sache der Christenheit beseelte den ebenso ruhmbegierigen als frommfühlenden Dichter. Doch hat er die Größe seines Gegenstandes durchaus nicht erreicht, den Reichtum desselben so wenig erschöpft, daß er ihn, sozusagen, nur an der Oberfläche berührt. Auch ihn beschränkte die Virgilsche * einigermaßen, daher einige nicht ganz glückich gelungene Stellen von dem sog. epischen Maschinenwerk. T. gehört im ganzen mehr zu den Dichtern, die nur sich selbst und ihr schönstes Gefühl darstellen, als eine Welt in ihrem Geiste klar aufzufassen und sich selbst darin zu verlieren und zu vergessen im Stande sind. Die schönsten Stellen in seinem Gedicht sind solche, die auch einzeln oder als Episoden in jedem andern Werke schön sein würden und nicht wesentlich zum Gegenstande gehören. Die Reize der Armida, Clorindens Schönheit und Erminiens Liebe, diese und ähnliche Stellen sind es, die uns an T. fesseln. In seinen lyrischen Gedichten (Rime) ist eine Glut der Leidenschaft und eine Begeisterung der unglücklichsten Liebe, welche uns noch mehr als das kleine Schäferspiel Aminta erst an die Quelle jener schönen Dichtungen führt. T. ist ganz ein Gefühlsdichter und, wie Ariosto, ganz malerisch. So ist über T.s Sprache und Verse ein Zauber musikalischer Schönheit ausgegossen, der wohl am meisten mit beigetragen hat, ihn zum Lieblingsdichter der Italiener zu machen, was er selbst beim Volke mehr als Ariosto ist.v» Eine Charakteristik T.s als epischer Dichter findet sich in Rankes Schrift Zur Geschichte der ital. Poesie » (Berl. 1837). Vgl. G. Voigt, „Torquato T. am Hofe von Ferrarao, in von Sybels «Histor. Zeitschrifth (Bd. 20). Die Rosinische Ausgabe von T.s Werken (33 Bde., Pisa 1821—31) ist die vollständigste und die mailänder der &Opere sceltey (5 Bde., 1823 — 25) sehr brauchbar. Der Rinaldos erschien zuerst zu Venedig w1562, die Gerusalemme liberatar verbessert zuerst zu Parma 1581. Kritische Ausgaben des Gedichts haben Orelli (Zür. 1838) und Scartazzini (Lpz. 1871; 2. Aufl. 1882) besorgt. Die besten deutschen Übersetzungen desselben sind die von Gries (13. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1874) und Streckfuß (4. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1847). Die «Auserlesenen lyrischen Gedichten übersetzte K. Förster (2. Aufl., Lpz. 1844). Eine vollständige chronol. Ausgabe seiner nicht bloß litterarisch und für sein eigenes Leben, sondern für die Kenntnis der ganzen Zeit sehr wichtigen Briefe lieferte C. Guasti (5 Bde., Flor. 1852 —55), mit wertvollen Abhandlungen über T. als Epistolograph, über die nach vielfachen Diskussionen (neuerdings von G. Rosini, Gaet. Capponi, C. Cavedoni u. a.) noch nicht vollständig aufgeklärte Geschichte der Gefangenschaft, über den Streit mit der Crusca u. s. w. T.s Leben wurde von vielen geschrieben; so von Giamb. Manso (Reap. 1619), am vollständigsten von P. A. Serassi (Rom 1785; neue Aufl. von C. Guasti, Flor. 1858). Vgl. noch Streckfuß, (Torquato T.s Lebeno (Berl. 1840); Milman, XLife of Torquato T.5 (2 Bde., Lond. 1850); Cecchi, (Torquato T. il pensiere e le belle lettere nel secolo XVIo (Flor. 1877; deutsch von Lebzeltern, Lpz. 1880); Ferrazzi, «Torguato T.» (Bassano 1880); Speyer, &Torquato T.» (im 10. Bd. des Reuen Plutarch »‚ Lpz. 1884). Die von Conte M. Alberti herausgegebenen «Manoscritti inediti di Torquato T.v (Lucca 1837) sind unecht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 489Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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