Tellkampf (Joh. Ludw.), namhafter deutscher Volkswirt und Abgeordneter, geb. 28. Jan. 1808 in Bückeburg, studierte in Göttingen, wurde 1831 Rechtsanwalt in Hannover, trat in dieser Stellung mit der Schrift über Verbesserung des Rechtszustandes in den deutschen Staaten » (Berl. 1835) an die Offentlichkeit, habilierte sich 1836 als Docent zu Göttingen, verließ aber diese Stellung 1838 wegen des Umsturzes der hannov. Verfassung und begab sich auf wissenschaftliche Reisen. Er wurde Professor am Union-College im Staate Neuyork und 1843 am Columbia-College in Neuyork. Hier veröffentlichte er die Schrift «lUber die Besserungsgefängnisse in Nordamerika und Englando (Berl. 1844). Nachdem T. 1846 im Auftrage der preuß. Regierung zum Studium der Fragen betreffend die Einzelhaft eine Reise durch England, Frankreich und Nordamerika unternommen und in Neuyork für die Dampfschiffahrtsverbindung zwischen Nordamerika und Deutschland gewirkt hatte, wurde er in demselben Jahre zu einer Professur der Staatswissenschaften nach Breslau berufen. Im Frühjahr 1848 wählten ihn die schles. Wahlkreise Schweidnitz und Waldenburg in die Deutsche Nationalversamm-Ulung, wo er Mitglied des Verfassungsausschusses wurde und bis zum Frühjahr 1849 thätig war. Von 1849 bis 1851 wirkte T. als Mitglied des Verfassungsausschusses im preuß. Abgeordnetenhause mit andern Mitgliedern der liberalen Partei beim Zustandekommen der preuß. Verfassung und veröffentlichte «Beiträge zur Nationalökonomie und Handelspolitik5 (2 Hefte, Lpz. 1851 — 53). Auf Vorschlag des Senats der Universität zu Breslau 1855 in das preuß. Herrenhaus berufen, gehörte er dort zu dessen liberalen Mitgliedern. Um diese Zeit gab T. die Broschüre 4über die neuere Entwickelung des Bankwesens in Deutschlando (Bresl. 1857; 4. Aufl. 1859) und «Essays on law reform, commercial policy, banks, penitentiaries, etc. (Lond. 1859) heraus. In seiner Schrift «Die Prinzipien des Geld- und Bankwesens 5 (Berl. 1867) entwickelte er die leitenden Grundsätze, welche von der Gesetzgebung zu berücksichtigen seien. Endlich veröffentlichte er «Der Norddeutsche Bund und die Verfassung des Deutschen Reichs» (Berl. 1866) und «Küber Arbeiterverhältnisse und Erwerbsgenossenschaften in England und Nordamerikav (Halle 1870). Im März 1871 wurde T. vom Wahlbezirke Hirschberg-Schönau in den Deutschen Reichstag gewählt, wo er zur nationalliberalen Partei gehörte. T. starb zu Berlin 15. Febr. 1876.