Temesvär, Freistadt und Festung, zugleich auch Hauptort des Temeser Komitats in Ungarn, an beiden Ufern des Begakanals, Station der Linie Arad-T. der Ungarischen Staatsbahnen und der Linien Marchegg-Orsova und T.⸗Bazias der Osterreichisch-Ungarischen Staatsbahnen, zählt (1880) 33694 E., zum größten Teil (56,6 Proz.) Deutsche, und ist Sitz des Obergespans und der Komitatsbehörde, eines Generalkommandos, eines Festungskommandos und anderer militärischer und administrativer Behörden, eines kath. Bischofs mit Domkapitel und eines griech.⸗orient. Bischofs. Der Ort zerfällt in die eigentliche Stadt (Festung und die drei Vorstädte Fabrik, Josephstadt und Meierhöfe. Als eine vierte Vorstadt ist der nahegelegene Ort Mehala zu betrachten. Zu den schönsten Gebäuden zählen die Synagoge, die kath. Kirche, von Maria Theresia erbaut, und die griech. Domkirche, das Dikasterialgebäude, in welchem sich die meisten Behörden befinden, das Stabs- und Generalkommandogebäude, das Zeughaus, die neue Realschule, das Franz-Josephstheater und das Rathaus. Unter den öffentlichen Monumenten ist die Gedächtnisfäule zur Erinnerung an die Belagerung von 1849 (vom böhm. Bildhauer Max) zu erwähnen. An Bildungsanstalten besitzt T. ein Obergymnasium, eine Staatsoberrealschule, eine konzessionierte Privat⸗, Bürger⸗ und Mittelhandelsschule und neben den Kommunalunterrichtsanstalten eine Mädchenbürgerschule und Pensionat. Der Fabrik⸗ und Handwerkbetrieb, besonders in Holz, Spiritus, Mehl und Leder, ist nicht unbedeutend. Wichtiger jedoch ist der Handel, der durch eine Filialanstalt der Osterreichisch-Ungarischen Nationalbank gefördert wird. Der Verkehr mit der Stadt wurde neuerdings durch teilweise Abtragung der Festungswerke erleichtert. Die Stadt soll schon zur Zeit der Eroberung Daciens durch die Römer unter dem Namen Zambara bestanden und unter den Avaren Beguey geheißen haben. Der Name T. kam unter König Ladislaus auf. Die Stadt kam 1242 in die Gewalt der Tataren und wurde zerstört. Doch schon 1311 findet sie sich wieder als fest und volkreich bezeichnet. Während der Türkenkriege spielte sie eine bedeutende Rolle. Hunyady ließ 1443 das feste Schloß an der Stelle des heutigen Zeughauses aufführen. Vor den Thoren der Stadt ward 1514 der Bauernanführer Georg Dözsa auf das Haupt geschlagen, er selbst gefangen genommen und nebst 40 andern Rädelsführern auf das grausamste hingerichtet. Von dem Beglerbeg Mohammed Sokolli 1551 Hhmede belagert, wurde T. 1552 von Beglerbes chmed na heldermmntiger Verteidigung bezwun en. Stephan Losontzy hielt sich mit einer Be atzung von 2210 Mann gegen 160000 Türken ruhmvoll vier Wochen, wurde jedoch kapitulierend mit dem Reste seiner Genossen niedergehauen. Durch den siebenbürger Fürsten Sigmund 1596 um vierten, 1597 durch dessen Kanzler Stephan Föstta zum fünften mal, 1696 durch den Kurfürsten von Sachsen, Friedrich August, zum sechsten mal ohne Erfolg belagert, wurde es endlich 1716 durch Eugen von Savoyen zum siebenten mal belagert und nach 164jähriger Botmäßigkeit wieder vom türk. Joche befreit. Infolge dessen wurde die heutige Festung angelegt, zu diesem Behufe die alte Stadt bis auf das Schloß Hunyads geschleift und nach einem neuen Plane aufgebaut. T. ward 1781 zur königl. Freistadt erhoben. Vom 25. April bis 9. Aug. 1848 wurde sie von dem ungar. General Graf Veécsey vergebens belagert. Am 9. Aug. 1849 besiegte zwischen T. und Klein-Becskerek Haynau die Ungarn unter Dembinsti und Bem. Die Folge war der Entsatz T.s. Von 1849 bis 1860 war T. die Hauptstadt der Serbischen Wojwodschaft und des Temeser Banats. Vgl. Preyer, „Monographie der königl. Freistadt T.y (Temesvär 1853).