Theorêm, s. Lehrsatz. Theorie (grch.) heißt wissenschaftliche Erkenntnis, einerseits im Gegensatz zur Erfahrung (Empirie), andererseits zur Praxis. In der erstern Beziehung strebt jede T. nach einer denkenden Einsicht in das Wesen, die Ursachen, Gesetze und den Zusammenhang dessen, was die Erfahrung im einzelnen zeigt. Nur in wenigen Fällen ist es bis jetzt gelungen, aus dem Gegebenen mit Notwendigkeit genügende T. abzuleiten. Wo dies nicht der Fall ist, bleibt die T. mehr oder weniger Hypothese (s. d.), welche durch neue Erfahrungen widerlegt werden kann. Der Grundgedanke, auf welchem die T. ruht, wird ihr Prinzip (s. d.) genannt. Sie selbst besteht in der Nachweisung, daß die Folgen, welche sich fur das Denken aus dem Prinzip ergeben, mit den thatsächlich vorliegenden Erscheinungen zusammenstimmen; daher ist die Vergleichung mit der Erfahrung der Prüfstein jeder T. Im Gegensatz zur Praxis (s. d.) bezeichnet T. zunächst die bloße Erkenntnis ohne die Absicht der Anwendung derselben zu gewissen Zwecken. Da die Bedingungen der Anwendung einer T. auf bestimmte Zwecke oft sehr mannigfaltig und verwickelt sind, so sagt man oft: es sei etwas in der T. (in thesi) wahr, in der Praxis aber (in praxi) falsch. In solchen Fällen bezieht sich die Falschheit der T. nicht auf sie selbst, sondern auf die ungünstigen Umstände der Gegenwart, in der es noch an den nötigen Bedingungen fehlt, um die an sich richtige T. Hant⸗ vollständig ins Werk setzen zu können. Vgl. Kant, «Über den Cemeinspruch: das mag in der T. richtig sein, taugt aber nicht für die Praxiso (1793).