FeedTheuerdank
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Theuerdank (Tewrdanck) ist der Titel eines berühmten deutschen ½„ Gedichts aus dem Anfange des 16. Jahrh., welches unter dem von ältern Dichtungen des suddeutschen Kreises (Rother, Otnit u. s. w. entlehnten Bilde einer Brautfahrt die Lebensschicksale Kaiser Maximilians I. schildert. Es erzählt, wie T. (der von Jugend auf an teuerlichen, d. i. ausgezeichneten Thaten sich erfreuende Max) auf der Fahrt zu Ehrenreich (Maria von Burgund), König Ruhmreichs (Karls des Kühnen) Tochter, durch drei von seinen Feinden bestellte Hauptleute, Fürwittig Euranie⸗ Unbesonnenheit der Jugend), Unfalo (Unfälle des beginnenden Mannesalters) und Aner), 4 (polit. und andere Feinde des reifern Alters), aufgehalten und in allerlei auf seinen Untergang abzweckende Abenteuer verwickelt wird, die er jedoch sämtlich mit Glück und Mut besteht und darauf die Braut gewinnt und heiratet, während die flüchtig gewordenen Hauptleute nach ergangenem Urtei Sspruche als Verbrecher hingerichtet werden. Jene Abenteuer, unter denen die dem Kaiser auf Jagden und in Kämpfen zugestoßenen Unfälle und Begegnisse zu verstehen sind, bilden den eigentlichen Kern des Gedichts, dessen poetischer Wert der durftigen Allegorie und der nüchternen, trockenen und ziemlich unbeholfenen Darstellung durchaus entspricht. Die Erfindung und der erste Entwurf des Werks ist vom Kaiser Maximilian selbst ausgegangen; die weitere rrellacht R hat dann in seinem Auftrage anfangs vielleicht Marr Treizsauerwein, später sein Geheimschreiber Melchior Pfinzing (1481— 1535) besorgt. Die erste und wegen ihres wirklichen künstlerischen Werts noch gegenwärtig mit Recht sehr hochgeschätzte Ausgabe, von welcher über 40 Exemplare auf Pergament bekannt sind, erschien ohne Jahrzahl (1517) zu Nürnberg, ausgestattet mit 118 eingedruckten, von Hans Scheuffelin und andern Meistern besorgten schönen Holzschnitten. Zur Enträtselung der unter der Allegorie versteckten histor. Namen und Begebenheiten fügte schon Pfinzing dem Werke einen Schlüssel bei. Weitere Erklärungen versuchten namentlich Sebastian Frank in Teutscher Nation Chroniky und Matth. Schultes. überarbeitet ward das Gedicht durch Burkard Waldis (1553, 1563, 1589 und 1596), dann durch Matth. Schultes (1679 und 1693). Eine sorgfältige, mit litterarhistor. Einleitung versehene Ausgabe des Originaltextes hat Haltaus geliefert (Quedlinb. u. Lpz. 1836); neueste Ausgabe in den „Deutschen Dichtern des 16. Jahrh.» (Bd. 10, von Goedeke, Lpz. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 632Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6