Tillemont (Sebastien le Nain de), ausgezeichneter franz. Kirchenhistoriker, geb. 30. Nov. 1637 zu Paris, erhielt bei den Jansenisten zu Port-Royal eine gründliche Bildung und begann schon frühzeitig die Sammlung des ungeheuern Materials, aus dem seine spätern Werke hervorgingen. Nach einem vieljährigen, einsamen Studien gewidmeten Aufenthalt zu Beauvais kehrte er 1670 nach Paris zurück, wo er im Verein mit seinem Freunde und frühern Mitschüler Pierre Thomas du Fossé arbeitete. Im J. 1672 nahm er die Weihen und wurde Subdiakon im Kirchspiel St.⸗Lambert, das in der Nähe von Port-Royal lag. Einige Zeit später ließ er 3 jedoch im Kloster selbst eine Wohnung bauen. Als die Regierung 1679 diesen Zufluchtsort der Jansenisten aufhob, ging er auf sein zwischen Vincennes und Montreuil gelegenes Gut Tillemont. Er starb 10. Jan. 1698 und wurde zu Port-Royal begraben. Im J. 1711 schaffte man die überreste T.s in die Kirche St. André des Ares. Das Hauptwerk T.s sind die Mémoires pour servir à'histoire ecclésiastique des six premiers sièclesb(Bd. 1—16, Par. 1693 — 1712). T. hat dieses umfangreiche Werk, das mehr eine Materialiensammlung als geschichtliche Darstellung ist, nur bis zum J. 513 führen können. Seit 1690 begann er noch eine zweite große, die erstere vervollständigende Arbeit, die Histoire des empereurs et des autres princes, qui ont régné durant les six premiers siòçcles de P'église, etc.v(Bd. 1—5, Par. 1691—1738), welches ebenfalls unvollendet gebliebene Werk zugleich die Christen-und Judenverfolgungen und die profane Litteraturgeschichte jener Zeiten umfaßt. Auch trug T. viel zu den Schriften seiner Freunde von Port-Royal bei. Vgl. Tronchay, «Idée de la vie et de Lesprit de le Nain de L.v(Nancy 1706; Köln 1711).