FeedTiturel
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Titurel heißt der Urgroßvater von Parzival (s. d.), ein Held der Sage vom Heiligen Gral (s. d.), dessen Tempel er auf Mont-Salvage baute, und dessen Rittertum er gründete. Nach seinem zufällig in der ersten Zeile des Gedichts vorkommenden Namen benannte man bereits im Mittelalter die unverbundenen, — Gralsage gehörenden herrlichen Bruchstücke, welche Wolfram von Eschenbach von der Liebe Schionatulanders und Sigunens, der Pflegeschwester Parzivals, gedichtet hatte. Eben jene Unvollständigkeit des sog. «Altern T.p reizte nach der Mitte des 13. Jahrh. einen gewissen Albrecht, eine Vervollständigung zu versuchen. Die Quellen, welche ihm außer den beiden Wolframschen Gedichten selbst vorlagen, sind noch nicht aufgedeckt. Die eine derselben ist der Brief vom Priester Johannes, der bald an den byzant. Kaiser Manuel, bald an andere Herrscher gerichtet erscheint. dei weitschweifiger Breite erzählt er alles, was er bei Wolfram vom Gral, von Parzival und von Schionatulander Alern hatte, und fügte die Bruchstücke des „Altern T.», die er durch überladene Zwischenreime zu verbessern glaubte, am gehörigen Orte ein. Auch diesen ganzen, bis zu Ende des Mittelalters vielgelesenen und bis in neuere Zeit noch mehr Wolfama⸗ Jüngern T.y hielt man für ein Werk Wolframs, was um so leichter geschehen konnte, weil der jüngere Dichter mehrmals Wolframs Namen sich aneignet. Allein er hat von Wolframs Geiste durchaus nichts, und seine dunkle, oft unverständliche Sprache ist nur eine mißlungene Nachahmung von WolframsStil. Die vorherrschende Allegorie, die gehäuften leeren Bilder, die übertriebene einseitige Verherrlichung des Ritter-, Priester- und Gelehrtentums und die geschraubte Darstellung machen das ebenso weitläufige als langweilige Werk vielmehr zu einem der unerquicklichsten des ganzen Mittelalters. Gedruckt ist der Altere T.v am besten in Lachmanns Ausgabe von Wolframs Werken und in Bartschs Ausgabe des «Parzival und T.v (2. Aufl., Lpz. 1877), hier zugleich mit den beiden neuen von Bartsch nachgewiesenen Bruchstücken; am besten übersetzt durch Simrock (zugleich mit Wolframs «Parzival, zuerst Stuttg. 1842). Der über 6000 Strophen haltende »Jüngere T. ward nach einer leidlichen Handschrift 1477 zuerst gedruckt, zugleich mit dem Parzivalo. Nach einer fehlerhaften heidelberger Handschrift ließ ihn Hahn abdrucken (Quedlinb. 1842). Ein Auszug daraus findet sich in Leben und Dichten Wolframs von Eschenbacho von San-Marte (Bd. 2, Magdeb. 1842). Vgl. Zarncke, Der Graltempel, Vorstudie zu einer Ausgabe des Jüngern T. (Lpz. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 719Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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