FeedTschermak (Gust.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Tschermak (Gust.), einer der verdientesten deutschen Mineralogen, geb. 19. April 1836 zu Littau bei Olmütz, studierte zu Wien und veröffentlichte 1858 seine erste Abhandlung über das Trachytgebirge bei Banow; er habilitierte sich 1861 in Wien, erhielt im folgenden Jahre die Stelle eines Custos am Hof-Mineralienkabinett und bereiste 1863 —66 die Alpen und Karpaten, um Beobachtungen und Materialien für sein preisgekröntes Werk «Die Porphyrgesteine Österreichs» zu sammeln, welches erst 1869 erschien; spätere Reisen führten ihn nach England und Schottland, Frankreich und Italien. T. wurde 1868 zum Direktor des kaiserl. Hof-Mineralienkabinetts, sowie zum Professor an der Universität ernannt, 1875 zum Wirkl. Mitglied der wiener Akademie gewählt. Die Direktorstelle am Hof-Mineralienkabinett legte er 1877 nieder, um sich ausschließlich der Thätigkeit an der Universität zu widmen. T. ist der Verfasser einer großen Anzahl von zumeist in den Sitzungsberichten der wiener Akademie erschienenen Abhandlungen petrographischen und krystallographischen Inhalts, die sich sowohl durch Sorgfalt als durch Ideenreichtum auszeichnen. So hat er 1865 die Feldspatgruppe, 1872 die Familie von Hornblende und Augit, 1877 die Glimmergruppe bearbeitet und geordnet, gerade diejenigen Mineralien, welche für die ganze Gesteinswelt insbesondere wichtig sind, 1883 ferner die Skapolithgruppe. Sein „Lehrbuch der Mineralogies (Wien) erschien 1885 in zweiter Auflage. Ferner ist T. einer der hervorragendsten Kenner und Forscher auf dem Gebiete der Meteoritenkunde; auf diesem veröffentlichte er außer zahlreichen kleinern Spezialarbeiten das umfassende Werk «Die mikros kopische Beschaffenheit der Meteoriten, erläutert durch photographische Abbildungenv, mit 25 Tafeln (Stuttg. 1886). Seit 1871 gibt er unter dem Titel Mineralog. Mitteilungeno eine treffliche Zeitschrift heraus, welche 1878 zu den Minerglogischen und petrographif chen Mitteilungeno erweitert wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 880Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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