FeedTyler (John)
ErdkundeBrockhaus 1882

Tyler (John), der zehnte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 1811 —- 45. Er wurde 20. März 1790 im Bezirk Charles-City in Virginien als der Sohn eines reichen Pflanzers geboren, studierte die Rechte und wurde bereits 1816 Mitglied des Repräsentantenhauses in Washington. Hierauf wurde er Gouverneur von Virginien und 18²⁷ zum Senator für Virginien ernannt, von welchem Posten er 1836 zurücktrat. Im J. 1840 stellte ihn die Whigpartei als ihren Kandidaten für die Vizeseine Wabt sa der Vereinigten Staaten auf und eine Wahl fand mit großer Majorität statt Durch den unvermuteten Tod des Präsidenten Harrison einen Monat nach seiner Inauguration sah T. sich plötzlich an die Spitze der Republit gestellt ein Fall der zwar durch die Konstitution der Vereinigten Staaten vorausgesehen, aber seit dem Bestehen derselben noch nicht eingetreten war. Doch gingen die von der Whigpartei auf T. gesetzten Hoffnungen keineswegs in Erfüllung. Die im Juli 1841 vom Kongreß beschlossene Bill wegen Errichtung eine ank scheiterte an dem Widerstande T.s, der ihr sein Veto entgegenstellte. Die hierdurch veranlaßte lufregung war gußerordentlich. Das von Harrison Hingesebte Ministerium, an dessen Spitze Daniel Mebster stand, reichte seine Entlassung ein, und das Bildnis des Präsidenten ward an mehrern Orten öffentlich verbrannt. Dies hielt T. jedoch nicht ab, noch wiederholt, namentlich in der Tariffrage, von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen sodaß er Lenden. seiner ganzen Verwaltung in immerwähem Hader mit der Volksvertretung stand, in welcher die Whigs damals die Majorität bildeten, und in welcher er sich außer den Ultras des Südens auch die Demokraten nicht zu Freunden zu machen vermochte. In seiner auswärtigen Politik war T. glücklicher. Die Grenzstreitigkeiten mit England wurden 1842 durch einen gütlichen Vergleich, den sog. Ashburton-Vertrag, beigelegt, und im Jan. 1845 erwarben die Vereinigten Staaten durch die Einverleibung von Texas eine wichtige Provinz, wodurch allerdings der Grund zu dem bald darauf folgenden Kriege mit Mexiko gelegt wurde. Am 4. März 1845 trat T. von der Regierung ab und zog sich auf sein Landgut in Virginien zurück. Im J. 1861 trat er hier eine kurze Zeit wieder auf den polit. Schauplatz, indem er als Mitglied der virginischen Friedensdeputation in Washington erschien und dem 4. Febr. 1861 zusammengeladenen sog. Friedenskonvent präsidierte. Der Kongreß wies die im südl. Interesse gemachten Vorschläge kurzweg zurück. Nach dem Äusbruch des Bürgerkriegs ließ sich T. in den Senat der Sezessionisten wählen. Er starb 17. Jan. 1862 in Richmond.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 932Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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