FeedTyndall (John)
NaturlehreBrockhaus 1882

Tyndall (John), ausgezeichneter engl. Naturforscher, wurde 21. Aug. 1820 als Sohn armer Eltern in Irland geboren. Nachdem er mehrere Jahre bei der trigonometr. Aufnahme des Vereinigten Königreichs beschäftigt gewesen, ging er 1848 nach Deutschland, um zuerst in Marburg unter Bunsen zu studieren und später in dem Laboratorium von Magnus in Berlin zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach England wurde T. 1853 als Professor der Physit an der Royal-Institution in London angestellt. Die ersten fünf Jahre seines wissenschaftlichen Lebens waren gewidmet den Untersuchungen über Diamagnetisnuis und der Lichtpolarisatton in diamagnetischen Substanzen und Krystallen. Im J. 1856 unternahm er gemeinschaftlich mit Prof. Huxley eine Reise in die Schweiz zur Untersuchung der Gletscher, deren Resultate er in einer gemeinsam mit Hurley ausgearbeiteten Abhandlung niederlegte. . won tteue über denselben Gegenstand führten T. von neuem während der J. 1857, 1858 und 1859 in die Schweiz. Im J. 1859 ging er mitten im Winter nach Chamonir, hielt mehrere Tage unter Schnee und Cis auf dem Montanvert aus und stellte durch seine Beobachtunen das winterliche Vorrücken der Mer de Glace fest. Während desselben Jahres begann er seine Untersuchungen über die strahlende Wärme, die ihn seitdem viele Jahre hindurch beschäftigten und unter anderm das Resultat ergaben, daß nicht die Luft, sondern der durch dieselbe verbreitete Wasserdunst es ist, welcher die Ausstrahlung der terrestrischen Wärme in den Weltraum hindert und dadurch die Erde bewohnbar macht; die betressenden Publikationen sind in den Philosophical Transactionsv und Philosophical Magazinen enthalten. In erstern findet man auch seine physik. Methode hinsichtlich der spontanen Generation. An seine Forschungen ber die Wärmestrahlung schlossen sich die über die Fortpflanzung des Schalls durch die atmosphärische Luft. In allen seinen Schriften bringt den Standpunkt der neuen Physik. d. i. die Erhaltung der Energie, zur Geltung. Seine größern Arbeiten sind der Mehrzahl nach von Helmholtz und K. Wiedemann ins Deutsche übertragen worden. Von seinen Schriften über die Alpen ist hervorzuheben: The glaciers of the Alpse (Lond. 1860, deutsch In den Alpen »,‚ 2. Ausg., Braunschw. 1875). Außerdem schrieb er: The forms of water etc. (Lond. 1873; deutsch, Lpz. 1873); mehrere Arbeiten über Molekularphysik, darunter «Coutributions to molecular physiess (Lond. 1872), Lectures on sounde(1867; deutsch, 3. Aufl., Braunschw. 1875), On Lighto (Lond. 1870 und 1873; deutsch, Braunschw. 1876), Heat as a mode of motiono (Lond. 1863; deutsch, 3. Aufl., Braunschw. 1875), „Ou radiation (Lond. 1865), On diamagnetismo (Lond. 1856 u. 1870), «Notes on electricityo (Lond. 1870), Lectures on electricity (Lond. 1870; beide deutsch von Rosthorn 1881) und «Lessons on electricitys (Lond. 1876), Fragments of sciences (Lond. 1871; deutsch, Braunschw. 1874; die darin enthaltene Vorlesung Dust and disease⸗ (Staub und Krankheito] rief eine lebhafte Kontroverse hervor);Naturalphilosophy in easy lessonso (Lond. 1860), 4Earadays (Lond. 1868; deutsch, Braunschw. 1870). T. hat auch in der British Association zu Belfast einen Vortrag über den «Materialismus in Englande gehalten (deutsch von Lehmann, Berl. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 933Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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