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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Uigur (Igur, Igu, auch Ku-⸗sze) 2 ein ältester Türkenstamm Zuderasiens, der viele Jahrhunderte mit China in Beziehungen stand und durch christliche Glaubensboten aus Syrien in den Besitz einer semitischen Buchstabenschrift gelangte, die seit der Begründung des mongol. Weltreichs auch zu Mongolen und Mandschus überging. Kunde von diesen U. erhielt Europa zuerst durch mittelalterliche Reisende und Urkunden aus dem Morgenlande, denen ein langer Streit, die Nationalität des Volks betreffend, sich anschloß. Der Mongolenforscher J. J. Schmidt in Petersburg machte, auf Zeugnisse sehr späten Datums gestützt, die U. zu Mongolen, wogegen Julius Klaproth an ihrem Turkismus festhielt. Daß die Wagschale zu Gunsten des letztern sich neigte, lag an dessen umsichtiger Benutzung eines lange vor ihm benutzbaren Stoffs, dem er kaum etwas hinzufügen konnte, denn was Klaproth selbst in seiner Abhandlung über Sprache und Schrift der U. (1822) zu übersetzen versucht, ist sehr fehlerhaft. Vgl. W. Schotts akademische Abhandlungen „Zur Uigurenfrages (Berl. 1874 u. 1875). Als Chinas nordwestliche Nachbarn zu beiden Seiten des sog. Himmelsgebirges (Thian-schan) kamen die U. frühzeitig in mehr oder minder abhängige Verhältnisse zum Drachenthron. Sie Hiuker einen König vom vordern und einen vom hintern Stamme, die beide in Städten mit Mauern und über ein geistig begabtes, wohlhabendes Volk von zum Teil selbsterworbener Bildung herrschten. Von ihren chines. Nachbarn erhielten die U. den ehrenden Beinamen Kao-tschhang, der auf chohen Wohlstando hinwies; jetzt sagt man in Turkestan von einem sinnreichen Individuum, es besitze Uiguren-Verstand (U'aqty). Groß war auch ihre Empfänglichkeit für chines. Bildung und Litteratur. Die Kaiser bewiesen den Königen beider Stämme so viel Gunst, daß einer der Vordern (seit 630 n. Chr.) aus übermut eine kaiserl. Mahnung an vernachlässigte Vasallenpflicht mit einer Kriegserklärung in chines. Versen beantwortete. Der Prahler starb angeblich aus Furcht, als ein Heer des Lehnsherrn zur Strafe gegen seine Grenzen zog, und jetzt unterwarf sich die hintere Majestät freiwillig. Ein mit den U. verwandtes Nomadenvolk aus dem höhern Norden, die Hui-hu, welche ihre Chane Löwenkönig (türk. aslan-chan) betitelten, drang um das 10. Jahrh. n. Chr. in die Wohnsitze der U. und Wechselte mit den Kaisern Gesandtschaften, deren die Geschichte Chinas vier, die letzte aus dem J. 981 n. Chr., erwähnt. Ein Herr Uangjen-te, das Haupt der chines. Botschaft, beschreibt seine Reiseabenteuer und den feierlichen Empfang von seiten des Löwenkönigs in einem sehr anziehenden Bericht. Was man von nigurischer Litteratur 11 HUνν Der Islam verdrängte auch bei nt, das hat schon Mohammedaner zu Verfassern ihnen den lange Jahrhunderte geblüht habenden Buddhismus. Vgl. darüber mehrere Werke von Vambery ls. d.), besonders dessen kIligurische Sprachmonumenter (Innsbr. 1870) und W. Schotts Recension darüber im Jahrg. 187¹ der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschafto.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 1Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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