FeedUsbeken (bei Vämbery Ozbegen)
GeschichteBrockhaus 1882

Usbeken (bei Vämbery Ozbegen), ein türk. Volksstamm von mehr politisch-sozialer, als ethnischer Bedeutung, der die frühere sog. Tatarei, das jetzige Turkestan (s. d.), bewohnt und die Herrschaft in dessen Chanaten von Bokhara oder dem im engern Sinne Usbekistän genannten Lande, dann in mehrern andern kleinen, aber selbständigen Gebirgsstaaten Westturkestans, sowie in Chiwa und, neben uigurischen Türken unter chines. Oberhoheit, auch in Ostturkestan oder Turfan sich aneignete. Scheibani-Chan, ein Bruder Batu-Chans, wurde 1248 der erste Stifter der Usbekenmacht am Oxus, indem er aus den ihm durch die Großmut seines Bruders überlassenen Provinzen das Reich Turan (s. d.) gründete. Unter einem seiner Nachfolger Usbek wurde der Name U. allgemein, und ihre Macht erweiterte sich durch stete Einwanderungen vom kiptschakischen Reiche her, sodaß sie sich in vielen blutigen Kriegen mit den Persern, Bucharen (Sarten), Turkmanen und den alten Khorasmiern messen konnten. Später verfielen sie der Gewalt der Timuriden, die sich hier am längsten behaupteten, bis 1498 Baber aus Westturkestan weichen mußte. Hierauf begründete Scheribek-Chan seine Herrschaft in Bokhara, und seine Dim. bis gewannen auch die Oberhoheit über Chiwa, bis sich 1802 nach langen verwüstenden Bürgerkriegen und blutigem Herrscherwechsel endlich der Usbeke Mahmed-Rachim-Chan die souveräne Herrschaft errang. Die U. bilden in den unterworfenen Ländern gewissermaßen den Adel, leben jetzt meist in Städten, bekleiden die höchsten Stellen und sind Besitzer der vielen kleinen Schlösser und Burgen, die man zerstreut findet und die sie an Turkmanen und Sarten oder Tadschiks, die kein eigenes Land besitzen, verpachten. Die Gesamtzahl wird auf 2Mill. geschätzt. Vgl. Vämbéry, Das Türkenvolk in seinen ethnolog. und ethnogr. Beziehungeno (Lpz. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 83Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6