Valerier ist der Name eines der berühmtesten altröm. Patriciergeschlechter, das, sabinischen Ursprungs, schon in die älteste Sage von der Königsgeschichte Roms verwoben wird, während der Republik in der innern und äußern Politik bei den meisten großen Ereignissen mithandelte und, wie „ nur wenige Patricierfamilien, sich noch in ie Kaiserzeit und bis zum Ende des Reichs erielt. Im Laufe der Republik spaltete sich das Gechlecht in mehrere Zweige, deren Mitglieder sich durch die Beinamen Maximus, Volusus, Poplicola, Potitus, Corvus, Lävinus, Flaccus, Messalla, Falto unterschieden, so jedoch, daß mehrere derselben in einzelnen Zweigen gleichzeitig geführt wurden. Glieder des Geschlechts zogen sich durch Clientelverhältnisse in die röm. Plebejerschaft hinüber, wie die Valerii Tappones und Triarii, und ebenso später in die romanisierten Provinzen, wie namentlich Gallien, von wo aus sie dann mit den Valerii Asiatici im Anfang der Kaiserzeit wieder nach Rom und in die röm. Aristokratie kamen. Als Ahnherr des Geschlechts tritt in der Tradition ein Volesus auf, der als Genosse des Titus Tatius in die romulische Zeit versetzt wird. Historisch sicher scheint Publius Valerius, einer der Konsuln des traditionellen ersten Jahres der Republik, als Urheber der ersten lex Valeria de provocatione, d. h. des Gesetzes, daß jeder Bürger innerhalb der Stadt vom Konsul an die Volksversammlung Berufung einlegen dürfe, und daß der Konsul dieser Provokation Folge geben müsse, wes1 fortan die Liktoren innerhalb der Stadt die Beile aus den Fasces nahmen. Nach der Tradition ließ er auch zur Abwehr des Verdachts, daß er nach der Tyrannei strebe, sein burgartiges Haus abbrechen und die 5er t vor der Hoheit des Volks, d. i. des populus, der Altbürger, senken. Für sein volksfreundliches Gesetz erhielt er nach der überlieferung den Namen Poplicola, und wurde noch dreimal, 508, 507, 504 v. Chr., Konsul. In dem Kampfe zwischen Plebs und Populus erscheinen die Valerier regelmäßig als die Vermittler zwischen der Plebejergemeinde und dem Patriciat. So brachte des vorigen Bruder, Marcus oder Manius Valerius als Diktator 494 v. Chr. die der Aushebung widerstrebenden Plebejer zum Gehorsam, worauf er sie zum Siege führte. Als dann die Plebejer infolge der Weierung des Senats, die in Sachen der innern Poitik gemachten Versprechungen des Diktators zu ratifizieren, dielerste) Sezession auf den heiligen Berg machten, trat er mit Erfolg als Vermittler auf. Zum Dank dafür erhielt er den Namen Maximus, der Große. Im J. 460 brachte der Sohn des V. Poplicola, Publius Valerius Poplicola, als Konsul beim Uberfall des Kapitols durch Sabiner und eine Schar Verbannter das widerwillige olt zum Kampfe, fiel aber bei der Erstürmung Burg. Bei der zweiten Sezession auf den heiligen Berg, die 449 infolge der Willkürherrschaft der Decemvirn stattfand, wurde Lucius Valerius, Enkel des erstgenannten Valerius Poplicola, zur Beschwichtigung der Plebejer zum Konsul gewählt. Als solcher brachte er mit seinem Kollegen M. Horatius die leges Valeriae Horatiae zu Stande, durch welche das Provokationsgesetz erneuert, das Volkstribunat bleibend wiederhergestellt, und den Beschlüssen der Tributcomitien unter gewissen Beschränkungen und Bedingungen eine auch für die Patricier bindende Kraft gegeben ward. Das dadurch versöhnte Volk führte er dann mit Erfolg zum Kriege gegen Aquer und Volsker. Marcus Valerius besiegte nach einer Erzählung, die seinen Beinamen Corvus, der Rabe, erklären soll, auf die Herausforderung eines riesenstarken Galliers diesen, unterstützt von einem Raben, der sich auf seinen Helm setzte, im Zweikampf. Er bekleidete 348, obgleich erst 23 J. alt, das Konsulat, 346 zum zweiten und 343 zum dritten mal. Im letzten Jahre schlug er nach der freilich in diesem Abschnitt sehr entstellten Tradition bei Livius die Samniten beim Berge Gaurus und bei Suessula und eroberte 335 in seinem vierten Konsulat Cales in Campanien. Im J. 301 schlug er in einer zweiten Diktatur Marser und Etrusker und erneuerte und bestärkte dann 300 in einem fünften Konsulat das Erbstück seiner Familie, das Provokationsgesetz. Zum sechsten mal ward er 299 Konsul, als der Krieg mit den Etruskern drohte. Von da an zog er sich von den öffentlichen Amtern zurück. Manius (oder Marcus) Valerius Marimus erkämpfte als Konsul 263 im ersten Punischen Kriege einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Karthager und Syrakuser bei Messana, woher ihm der Beiname Messalla ward. Dann bestimmte er den König Hiero II. von Syrakus zum Frieden und Bündnis mit Rom. Die Schlacht ließ er in einem Gemälde auf einer Wand des Rathauses, der Curia Hostilia, darstellen, die ersten histor. Fresken in Rom. Während des zweiten Punischen Kriegs zeichnete sich Marcus Valerius Lävinus aus, indem er 215—211 als Prätor zuerst in Apulien befehligte und dann den Krieg gegen Philipp von Macedonien führte, Oricum eroberte und Apollonia entsetzte. Als Konsul führte er dann 210 den Krieg in Sicilien, eroberte Agrigent und vollendete die von Marcellus begonnene Wiedereroberung der Insel. Lucius Valerius Flaccus war zuerst Gönner, dann Freund wie Gesinnungsgenosse des ältern Cato (s. d.) und dessen Kollege im Konsulat 195 sowie in der Censur 184.