Vas (lat.), das Gefäß: Vasa, Gefäße, Adern; Vas detérens, der Samenleiter (. Samen); vasa sacra, heilige Gefäße zum kirchlichen Gebrauch; vas kulös, gefäßreich, reich an Adern. Vasa, soviel wie Wasa. Vasall (vasallus, vassus) oder Lehnsmann hieß seit Ausbildung des Lehnswesens im Mittelalter derjenige, welcher sich einem andern (dem Lehnsherrn) zu Treue und Dienst, hauptsächlich zu Kriegsdiensten verpflichtete und dafür, außer dem Bersprechen des Schutzes, die Benutzung eines Guts, Grundstücks, einer Rente oder eines Amts erhielt, woraus sich in der spätern Periode des Lehnswesens ein verderbliches Nutzungseigentum (dominum utile) entwickelte. Im Deutschen Reiche unterschied man unmittelbare Reichsvasallen (immediati), die vom Kaiser oder Reiche belehnt waren, und mittelbare Vasallen (me= diati), welche bei einem deuts chen Reichsfürsten oder einem andern Herrn zu Lehn gingen. Oftmals hatten auch die mittelbaren V. wieder After⸗ oder Untervasallen (subvasalli), daher in Italien die Abstufung der capitanei, valvassi, valyasores und valyasini. In Deutschland bestand für die Lehnsfähigkeit eine siebenfach gegliederte Rangordnung (die sieben Heerschilde). Neuerdings ist die ethischpolit. Seite des Lehnswesens (s. d.) ganz in den Hintergrund getreten, und die Rechte und Verbindlichteiten der B. werden, wo sich die Verwandlung der Lehne in freie Besitzungen noch nicht vollzogen hat (Allodifikation), nur nach einem besondern Eigentums⸗ und Erbrechte beurteilt. Vgl. Waitz «„lber die Anfänge der Vasallitäte (Gött. 1856). Basärhely, s. Höd-Mezö-Vasarhely und Maros-Vasärhely. Vasari (Giorgio), Baumeister, Maler und Künstlerbiograph, geb. 1512 in Arezzo (daher Aretino genannt), erhielt die erste Anleitung in der Kunst bei Guglielmo von Marseille, seine Ausbildung aber bei Luca Signorelli, Andrea del Sarto und Michel Angelo. Bei der Belagerung von Florenz 1529 aus der Stadt entflohen, verband er sich mit Rosso zu gemeinsamer Arbeit und ging mit dem Kardinal Ippolito de' Medici nach Rom, wo er sich an den Werken Michel Angelos und Rafaels weiter bildete. Herzog Cosimo J. rief ihn 1553 wieder nach Florenz und übertrug ihm zahlreiche bedeutende Arbeiten im Gebiete der Architektur und Malerei. Seine Malereien, die V. selbst für seine wichtigsten Leistungen hielt, lassen den Epigonen der großen Meister erkennen; die hervorragendsten sind: Altar in San-Giovanni decollato in Rom, Dekoration von San-Michele in Bosco bei Bologna, Ahasverus-Fest in Arezzo, Anbetung der Könige in Rimini, Empfängnis Marias in Santi-Apostoli und Himmelfahrt in der Badia daselbst, Kreuzabnahme in der Galeria Doria in Rom. Trotz des Reichtums der Erfindung und der Sicherheit des Vortrags machen sie den Eindruck der Nachahmung und sind infolge ihrer kühlen und dabei oft bunten Färbung unerfreulich; seine Bauten jedoch gehören zu den vorzüglichsten Werken der toscan.⸗röm. Hochrenaissance. Unter ihnen zeichnen sich durch Schönheit der Disposition, Gediegenheit und Zweckmäßigkeit der Ausführung ganz besonders aus: die Vigna di Papa Giulio bei Rom lerbaut 1550 für Julius III.), an welcher V. wesentlichen Anteil hatte; sodann die Uffizien in Florenz, bestimmt zur Aufnahme der Regierungsbureaus (1560 von V. begonnen, dann von Buontalenti, Parigi u. a. vollendet), die Badia in Arezzo, wo sich V. auch ein Wohnhaus (jetzt Casa Montauti) erbaute; die Kuppel der Madonna dell' Umilta in Pistoja, die neue Sakristei von San-Lorenzo in Florenz. Auch der Gebäudekomplex der Stephansritter zu Pisa und die Erneuerung des Innenbaues im Palazzo-Vecchio zu Florenz ist sein Werk. Den größten Ruhm erwarb er sich durch seine Künstlerbiographien (Vite de' più eccellenti architetti, pittori e scultori italiani da Cimabue insino à tempi nostrio), welche auf Anregung des Kardinals Farnese und des Paolo Giovo entstanden und zuerst 1550 gedruckt wurden, dann 1568 in einer von V. selbst umgearbeiteten Auflage, welcher die Porträts der hervorragendsten Meister beigefügt sind. Von den später veranstalteten kommentierten Auflagen des Werks sind die wichtigsten: die römische (besorgt von Bottari, 1759—60), die sienesische (besorgt von Della Valle 1792—93), die florentinische von Le Monier (14 Bde., 1846 fg.), bearbeitet von verschiedenen ital. Kunstgelehrten (mit Hinzufügung der Kommentarien des Ghiberti) und die neueste florentinische von G. Milanesi (8 Bde., 1878 fg.). Hauptquelle über V. ist seine Selbstbiographie in den «Vite de' pittoriv. Er starb 1574. Lazzaro B., Urgroßvater des vorigen, geb. 1380, gest. 1452, Maler in Arezzo, wo er mit Piero della Francesca arbeitete und ch durch feine Ausführung kleiner Figuren besonders hervorthat; seine Schwester war die Mutter des Luca Signorelli. Vasatae oder Cossium, alte Stadt in Aquitanien, jetzt Bazas (s.d.) im Departement Gironde. Vasco da Gama, s. Gama. Vasconcellos (Joaquim Antonio da Fonseca e), portug. Schriftsteller, besonders auf dem Gebiete der portug. Kunstgeschichte und Archäologie ausgezeichnet, geb. 10. Febr. 1849 in Porto, erhielt seine Schulbildung in Hamburg, besuchte 1865—69 die Hochschule von Coimbra und bereiste 1871—75 Deutschland, dann auch Frankreich, England, Spanien und Vortugal. Seit 1883 ist er Professor der deutschen Sprache am Lyceum zu Porto, seit 1884 auch Verwalter des Museums für Industrie und Handel. V.s Erstlingswerk war eine Geschichte der port. Musik: „Os Musicos portuguezes. Biographiabibliographiaz (Porto 1870). Besondere Kapitel vaterländischer Musikgeschichte behandeln: Luiza Todis (Porto 1873), «Eusaio sobre o catalogo da livraria de musica de el-rei D. Jodo IVo (Porto 1873) und Cartas curiosas do abbade Antonio da Costap (Porto 1879). Der Malerei und Zeichenkunst sind gewidmet: Reforma do ensino de dellas artes (3 Bde., Porto 1877—79); Albrecht Dürer e a sua iufluencia na peninsulas (Porto 1877), „Francisco de Hollandas (Porto 1879), „Go'siana (4 Bde., Porto 1879—81). Über Goethes Faust schrieb V., veranlaßt durch Castilhos freie Übersetzung des deutschen Meisterwerks, eine Reihe polemischer Schriften, welche von seiner Liebe für Deutschland Zeugnis ablegen. Die wichtigste darunter ist &0O Paust de Goethe e a traducdo de Castilhos (Porto 1872). Außerdem schrieb V. viele Broschüren und Auffätze kunstwissenschaftlichen Inhalts, welche durch Genauigkeit und Sorgsamkeit, durch Reichtum an positiven Daten und allgemeinen Ideen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft portug. Kunst und portug. Kunsthandwerks hervorragen. Seine Gattin, Karolina Wilhelma Michaelis de V., geb. 15. März 1851 zu Berlin, ist die jüngste Tochter des durch seine Arbeiten über Stenographie und Lautphysiologie bekannten Professors Gustav Michaelis. Sie besuchte 1858 66 die unter Professor Mätzners Leitung stehende Luisenschule und begann frühzeitig, sich mit Sprach-und Litteraturstudien zu befassen. Sie lernte nächst Lateinisch und Griechisch sämtliche romanische und einige slawische Sprachen, auch das Arabische und Hebräische. Ihre besondere Neigung zog sie zur Iberischen Halbinsel, in deren Sprachen und Dialekte und Litteraturen sie mit wissenschaftlicher Gründlichkeit eindrang. Sie lieferte Beiträge zu Herrigs Archivo, der von G. Paris herausgegebenen Romaniav, Groebers «KZeitschrift für roman. Philologiev, „Jahrbuch für roman. und engl. Litteraturv, &«Shakespeare-Jahrbuchv, Magazin für die Litteratur des Auslandeso u. s. w., sowie zu portug. Journalen. Herders Cid, herausgegeben von Julian Schmidto (ELpz. 1868) versah sie mit Erläuterungen und veroffentlichte ferner: «Romancero del Cido (Lpz. 1870), «Studien zur roman. Wortschöpfunge (Lpz. 1876), Ein portug. Weihnachts-Auto: Pratica de tres pastoreso (Braunschw. 1879), 4Versuch über den Palmeirim de Inglaterrav (Halle 1883), „Poesias de Francesco de Sa de Mirandar (Halle 1885), Studien zur hispanischen Wortdeutung (Florenz 1886).