FeedVautier (Benjamin)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Vautier (Benjamin), ausgezeichneter Genremaler der Gegenwart, geb. 27. April 1829 zu Morges am Genfersee, erhielt seine künstlerische Ausbildung zunächst in Genf, dann seit 1850 auf der düsseldorfer Akademie unter engerm Anschluß an R. Jordan, ging 1856—57 nach Paris, um dort seine Studien abzuschließen, ließ sich darauf in Düsseldorf nieder und erhielt den Professortitel. Seine Künstlerreisen führten ihn besonders in die Schweiz, den Schwarzwald und den Elsaß, dessen Volksleben er die Motive seiner Bilder mit Vorliebe entnimmt. Seine Stoffe bewegen sich im Kreise des bäuerlichen und kleinbürgerlichen Familienlebens, aber auch novellistische Gegenstände behandelt er mit derselben Feinheit der Beobachtung und Sauberkeit des Vortrags. Zu seinen bekanntesten Werken gehören: die Kirchensänger (1858), die Überraschung im Wirtshaus (1863, Museum zu Leipzig), Sonntag Nachmittag in Schwaben und der Katzen-Kriminalfall (1864), Bauer und Makler (1865, Museum zu Basel), Leichenschmaus im Verner Oberlande (1866, kölner Museum, gestochen von Barthelmeß), Überfahrt auf dem Brienzersee (4867), erste Tanzstunde (1868, Nationalgalerie zu Berlin), der unterbrochene Streit (1869), und aus den J. 1872 — 75: das Begräbnis, Toast auf die Braut (hamburger Museum), das Zweckessen. In der dresdener Galerie ist das Bild die Tanzpause, im hamburger Museum der verlorene Sohn (1885). Tressliches leistet V. auf dem Gebiete der sittengeschichtlichen Illustration. Von seinen vielen derartigen Werken sind die 60 Darstellungen zu Immermanns «Oberhof» (Berl. 1871) und die zu Auerbachs „Barfüßeler (Stuttg. 1872) hervorzuheben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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