Verfassung; Andree, Nordamerika in geogr. und geschichtlichen Umrissenv (Braunschw. 1851; 2.Aufl. 1853); Julius, «Nordamerikas sittliche Zuständer (2 Bde., Lpz. 1839); F. von Raumer, Die Vereinigten Staaten von Nordamerikap (2 Bde., Lpz. 1845); die Reisen des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar (herausg. von Luden, 2 Bde., Weim. 1828), des Prinzen Maximilian zu Wied (2 Bde., Kobl. 1839—41), von Ziegler, Graf von Görtz, Froebel, Busch, Kohl, Löher, Graf Erbach, Kübeck; ferner Ratzel, «Die Vereinigten Staaten von Nordamerikar (2 Bde., Münch. 1878—80); derselbe, «Städte und Kulturbilder aus Nordamerikav (2 Bde., Lpz. 1876); Hellwald, «Amerika in Wort und Bildo (2 Bde., Lpz. 1883—85); Hesse-Wartegg „Nordamerikas (4 Bde., Lpz. 1883—84); Herzog, „Aus Amerika (Bd. 1, Berl. 1881); Leyen, Die nordamerik. Eisenbahneno (Lpz. 1885). Geschichte. I. Vorgeschichte (bis 4. Juli 1776) oder Kolonialperiode. Die Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America) erscheinen als solche historisch zum ersten mal in der berühmten Unabhängigkeitserklärung, welche, von Jefferson (s. d.Wentworfen, vom Kongreß der 13 brit. Kolonien Nordamerikas am 4. Juli 1776 angenommen und verlautbart wurde. Anerkannt wurden sie zuerst von Frankreich in den im Febr.1778 zu Paris abgeschlossenen Verträgen, sodann von Großbritannien in dem Friedensvertrage von Versailles, 3. Sept. 1783, darauf in rascher Folge von allen übrigen Mächten. Bis dahin gab es nur Kolonien in Nordamerika und zwar spanische, französische, schwedische, holländische und (zum größten Teil) englische. Die älteste dauernde Ansiedelung erfolgte seitens der Spanier in San-Augustine, Florida 1565, die erste dauernde engl. Kolonie (Virginien) wurde am 13. Mai 1607 durch Gründung von Jamestown gebildet und in derselben auch am 30. Juli 1619 in einem Hause der Bürgerv die erste Volksvertretung eingeführt. Im 2— gehört die Geschichte der Gründung aller einzelnen Kolonien und deren Entwickelung bis zum großen gemeinsamen Konflikt mit England zunächst in den Rahmen der Geschichte der aus den Kolonien entstandenen gegenwärtigen Staaten. Historisch bedeutsam war die Landung der Pilgrim-Väter von New-Englando, der 102 Puritaner, welche religiöser Verfolgungen halber 6. Sept. 1620 in dem kleinen Schiffe Mayflower England verlassen hatten, in der Massachusettsbai (11. Dez. 1620) und die Gründung von Plymouth, weil von entscheidendstem Einfluß für die ganze seitherige Gestaltung des Nationalcharakters und der Nationalgeschichte. Ferner verdient die erste größere Einwanderung aus Deutschland Grefeld), die zur Gründung von Germantown (s. d.) 1683 führte, besonderer Erwähnung, obgleich weder diese, noch auch die (seit 1730 in stärkerm Maße) nachfolgende deutsche Einwanderung den engl. Grundcharakter der Kolonien zu ändern vermochte. Thatsächlich bestanden, seit Febr. 1733 unter General James Oglethorpe die Stadt Savannah, resp. die Kolonie Georgia gegründet war, im Gebiete der heutigen Union 13 engl. Kolonien, die teils unter Provinzialregierungen (Neuhampfhire, Neuyork. Neujersey, Virginien, beide Carolinas und Georgia), teils unter Eigentümerregierungen (Maryland, Pennsylvanien und Delaware), teils unter „Freibriefregierungen (Massachusetts, Rhode-Island und Connecticut) organisiert waren. Gemeinsame Beziehungen unter den einzelnen Kolonien entstanden teils durch Indianerkriege (darunter besonders gefährlich die von den Königen Philip 1675 und Pontiac 1763 angezettelten), teils und namentlich durch die wiederholten blutigen Kämpfe zwischen Engländern und Franzosen um die Suprematie in Nordamerika. Von entscheidender Bedeutung für die ganze Entwickelung der folgenden Ereignisse war der 1754 begonnene Krieg, welcher in Amerika durch die Eroberung von Quebec seitens der Engländer, in Europa und auf dem Meere aber erst durch den Pariser Frieden 1763 beendet wurde. Während er auf der einen Seite die Verdrängung franz. Herrschaft aus Nordamerika durch britische besiegelte, hatten die häusigen Niederlagen der englischen regulären Truppen und die glänzenden Waffenthaten der Kolonialtruppen auf der andern Seite das Selbstvertrauen der Kolonien merklich gehoben. Dies trat alsbald hervor, da gerade um diese Zeit Englands Regierung mit der theoretisch zwar stets behaupteten, aber thatsächlich nur selten gewagten Besteuerung der Kolonien vorzugehen begann. Vergeblich beriefen sich letztere auf den altengl. Grundsatz No taxation without representationo, Besteuerung müsse sich mit Vertretung decken, d. h. die Kolonien dürfen nur von einem Körper besteuert werden, in dem sie selbst vertreten sind; die engl. Regierung kümmerte sich nicht um den Widerspruch. Am 22. März 1765 wurde die Stempelakte erlassen, ohne daß man den Mut hatte, sie bei dem einmütigen Widerstande der Kolonisten durchzusetzen. So zog man sie 51117 (März 1766) und schrieb an ihrer Statt im Mai 1767 einen Eingangszoll auf Thee, Glas, Papier und Farbe aus. Diese Maßregel, die wieder auf Grund des amerik. aktiven und passiven Widerstandes beschränkt werden mußte, sodaß schließlich nur ein Eingangszoll von 3 Pence pro Pfund Thee bestehen blieb, führte endlich zum offenen Aufstand (Boston Massacre 5. März 1770 und Tea Party, 16. Dez. 1773). Die hierauf erfolgenden Gewaltmaßregeln des engl. Parlaments, wie Sperrung des bostoner Hafens vom 1. Juli 1774 an, die Aufhebung der Verfassung der Kolonie Massachusetts, der Seele des Widerstandes für sämtliche Kolonien, führte am 5. Sept. 1774 zum Zusammentritt des «Alten Kontinentalen Kongresseso in Philadelphia, bei dem die 13 Kolonien mit Ausnahme von Georgia durch im ganzen 53 Delegaten vertreten waren. (Ein erster (Kongreßo hatte auf Einladung von Massachusetts schon im Okt. 1765 zu Neuyork stattgefunden und war von 9 Kolonien beschickt worden.) Die «Amerikaner» (wie Patrick Henry schon in seiner Cröffnungsrede bezeichnend sagte) beschlossen energischen Protest bei der engl. Regierung gegen die Verletzung ihrer Rechte, besonders auch gegen die stehende Armee im Kolonialgebiete, wie Bildung der American Associationo, die sich verpflichtete, jeden Handelsverkehr mit England abzubrechen und keine engl. Erzeugnisse zu gebrauchen. In Massachusetts bereitete man sich überdies eifrigst zum Kriege vor und häufte in Worcester und Concord Munitionsvorräte auf. Der Versuch des engl. Generals Gage, letztere zu zerstören, führte 18. April 1775 zu den ersten blutigen Zusammenstößen zwischen den Truppen und den rasch einberufenen Milizen (minute men), zuerst bei Lexington und dann bei Concord. Der Erfolg blieb auf seiten der Milizen. Dies gab das Signal zum allgemeinen Aufstande. Von allen Seiten eilten Kolonialtruppen nach Boston, woselbst die engl. Armee sich alsbald von einer starken, kampfesmutigen, wenn auch undisciplinierten und schlecht ausgerüsteten Menge eingeschlossen fand. Freiwillige aus Vermont und Connecticut unter Arnold und Allen bemächtigten sich der wichtigen canadischen Forts Ticonderoga und Crowu-Point (10. und 12. Mai) und damit auch einiger dringend benötigten Kanonen. Mittlerweile trat der Kongreß, welcher am 26. Okt. auseinander gegangen war, an dem vorausbestimmten 10. Mai wieder in Philadelphia unter Vorsitz des Rebelleno John Hancock von Boston zusammen. Sie erklärten die vor Boston versammelten Freiwilligen zur Kontinentalen Armee und bestellten einstimmig(15. Juni) Washington (s. d.) zum Oberfeldherrn. Bevor derselbe noch bei der Armee eintraf, hatte dieselbe am 17. Juni das Treffen von Bunkerhill gewonnen, sodaß der vier Tage später eintreffende Oberfeldherr unter günstigen Auspicien eine reguläre Belagerung von Boston einleiten und inzwischen mit Hilfe von Gates wenigstens notdürftig seine Armee organisieren konnte. Am 17. März 1776 sah sich der brit. Oberfeldherr, Lord Howe, genötigt, Boston zu räumen. Weniger erfolgreich war eine Expedition nach Canada; der tapfere Führer Montgomery fiel 31. Dez. 1775 beim Sturm auf Quebee und die Amerikaner mußten mit schweren Verlusten sich zurückziehen. Glücklicher waren die Kolonien mit den ausgerüsteten Kaperschiffen, welche den Engländern großen Schaden zufügten, und mit der Zurückweisung eines engl. Angriffs auf das wichtige Charleston in Südcarolina. Diese Erfolge, wie die Aufregung über einige barbarische Streifzüge der Briten beförderten den Gedanken nach einer vollständigen Unabhängigkeitserklärung, welche übrigens bereits Mai 1775 von der Vertretung Nordcarolinas für dieses Land ausgesprochen worden war. Eine am 7. Juni 1776 von Richard Henry Lee im Kongreß eingebrachte Unabhängigkeitsresolution wurde am 2. Juli von den Delegaten aller Kolonien, mit Ausnahme Neuyorks, angenommen und bildete die Grundlage für die berühmte, am 4. Juli mit gleicher Mehrheit unterzeichnete Unabhängigkeitserklärung (Declaration of Independence) der Vereinigten Staaten von Amerikas. II. Die Periode der Konföderation (bis 4. März 1789). Der Zusammenhang, in den die 13 Kolonien traten (auch Neuyork schloß sichs chon am 9. Juli der Unabhängigkeitserklärung an), war zunächst nur ein loser, soweit er zur gemeinsamen Abwehr unerläßlich wurde. Er war aber um so notwendiger geworden, als gerade um diese Zeit England bedeutende Anstrengungen zur völligen Unterdrückung der Rebellion machte. Es rüstete eine große Flotte, die unter Befehl des Admirals Howe gestellt wurde, und ein Landheer von 55000 Mann unter dessen Bruder Lord Howe. Da die Volksstimmung in England die Werbung erschwerte, kaufte die Regierung den kleinen deutschen Höfen Hessen-Kassel, Hessen-Hanau, Braunschweig, Waldeck, Anhalt und Ansbach Mietstruppen ab, welche die Waffen gegen die amerik. Kolonien führen mußten und im Laufe des Kriegs bis auf 29166 Mann stiegen. (Hessen-Kassel nahm mit diesem Menschenhandel während des Kriegs mehr als 21 Mill. Thlr. ein.) Einer solchen Macht gegenüber konnte sich Washington, der seine Armee bald nach der Einnahme von Boston nach Neuyork verlegt hatte, zunächst nur auf die Defensive beschränken. Als Howe im August mit 30000 Mann von Staten-Island anrückte, räumte Washington nach einigen unglücklichen Gefechten (besonders bei White-Plains 28. Okt.) nicht bloß die Stadt, sondern auch den Staat Neuyork. Zwei erfolgreiche Überfälle (bei Trenton 25. Dez. 1776 und Princeton 3. Jan. 1777) hoben einigermaßen wieder den Mut seiner durch Krankheiten und schlechte Verpflegung decimierten Milizen, sodaß die Winterquartiere unter erträglichen Umständen bezogen werden konnten. Im Frühjahr 1777 verlegte der engl. Feldherr Howe seine Operationen in die Chesapeakebai mit der Richtung gegen das wichtige Philadelphia. Es gelang ihm auch, dasselbe am 26. Sept. einzunehmen, nachdem er zwei Wochen vorher Washington bei Brandywine geschlagen hatte. Am 4. Okt. erlitt letzterer bei Germantown eine zweite empfindliche Niederlage, sodaß er seine Winterquartiere in die wilde Gegend bei Valley-Forge verlegen mußte. Hier war es, wo der am 1. Dez. eingetroffene preuß. Offizier Steuben als «Generalinspektore hervorragende Dienste als Disciplinator und Organisator der Armee leistete. Zum weitern Glück für die Kolonien gelang es deren Truppen unter Gates nach mehrern glücklichen Gefechten, den engl. General Bourgoyne, welcher von Canada aus eingedrungen, aber doch zu isoliert war, am 7. Okt. bei Saratoga empfindlich zu schlagen und bald darauf (17. Okt.) zur Kapitulation zu zwingen. Dieser Erfolg, welcher 3500 Briten zu Gefangenen machte, war namentlich dadurch von Bedeutung, daß er die bisher schwankende franz. Regierung zum Abschluß eines Handels-⸗ und Verteidigungsbündnisses mit den Amerikanern bewog. Für die letztern waren die Verhandlungen in Paris durch Benjamin Franklin (s. d.) mit großer Geschicklichkeit geführt worden. Vorher schon hatte übrigens unter dem franz. Adel große Sympathie für die Amerikaner geherrscht und waren nicht bloß zahlreiche Offiziere, darunter General Ralb und der dessen Aumes n anvertraute junge Lafayette, bereits zur Armee Washingtons eingerückt, sondern unoffiziell auch bedeutende Unterstützungen an Geld und Ausrüstung gewährt worden. Jetzt aber erklärte Frankreich an England offiziell den Krieg und rüstete zwei Flotten aus. Das Erscheinen der franz. Kriegsschiffe unter d'Estaing kam den von Krankheit und Mangel sehr geschwächten amerik. Kämpfern gelegen, da sie sonst kaum im Stande gewesen wären, der energischern Kriegführung, welche unter dem neuen engl. Oberfeldherrn Henry Clinton eingeleitet wurde, zu widerstehen. In den Jahren 1778 und 1779 konnte Washington nur einmal (28. Juni 1778 bei Monmouth) wagen, sich den Engländern in offenem Felde entgegenzustellen; der Erfolg dieses Treffens genügte aber nicht einmal, um den schweren Verwüstungen Einhalt zu thun, welche die brit. Truppen längs der ganzen Küste, besonders aber in den reichern südl. Provinzen, wohin Clinton seine Hauptthätigkeit verlegte, durchführten. Selbst daß Spanien an England den Krieg erklärte, Holland mit Schweden, Dänemark und Rußland das Neutralitätsbündnis abschloß (1. Jan. 1780), infolge dessen England auch an Holland den Krieg erklärte, half den Amerikanern wenig. Dieselben erlitten einen schweren Schlag, indem Clinton am 12. Mai 1780 das wichtige Charleston in Südcarolina mit 6000 Mann, 400 Kanonen, 4 Fregatten und reichen Vorräten zur Übergabe zwang. Dies war der Höhepunkt des amerik. Mißgeschicks, welches durch einige brillante Waffenthaten, wie die Wegnahme zweier brit. Kriegsschiffe im Englischen Kanal durch Kapitän Paul Jones (23. Sept. 1779) und die Erstürmung von Stony-Point durch General Wayne (16. Juli 1779) nicht gemildert worden war. Clinton glaubte aber nach der Einnahme Charlestons den Süden vollständig bezwungen zu haben, zog sich mit der Hauptarmee nach Neuyork zurück und ließ General Cornwallis mit 8000 Mann zur Bekämpfung der Guerrillabanden zurück, welche allein noch von amerik. Seite den Krieg fortführten. Diese Schwächung der Briten wurde von Washington geschickt zu einem Hauptschlage benutzt, wobei das Erscheinen franz. Hilfstruppen, 6000 Mann unter Rochambeau und einer starken Flotte unter Grasse, von entscheidender Bedeutung war. Er wußte den brit. Feldherrn in dem Glauben zu belassen, daß die vereinigten Amerikaner und Franzosen gegen ihn in Neuyork operieren würden, während thatsächlich die ganze Macht der Verbündeten gegen Cornwallis sich wendete. Dieser hatte nach einer ziemlich glücklichen Kriegführung gegen die ihm entgegengestellten kleinern amerik. Truppenmassen zuerst unter Gates, dann unter Greene, Lafayette und Steuben, eine befestigte Stellung bei Yorktown in Virginien bezogen. Hier wurde er aber von 9000 Amerikanern unter Washington und 6000 Franzosen unter Rochambeau, wie von der starken franz. Flotte unter Grasse vollständig eingeschlossen und mußte sich nach einer regelmäßigen Belagerung am 19.Okt. 1781 mit 7247 Mann Truppen, 840 Matrosen, 106 Geschützen und großen Vorräten ergeben. Die Nachricht von diesem Ereignis rief in London ungeheuere Aufregung hervor und führte den Sturz des mißliebigen Ministeriums North herbei. Der kostspieligen Kriegführung mit dem amerik.Brudervolker waren die Engländer überdrüssig geworden, und so gelang es, am 30. Nov. 1782, den amerik. Unterhändlern Adams und Franklin, in Paris einen Präliminarfrieden mit den Engländern zu bon Berdem 3. Sept. 1783 der definitive Friede von Versailles folgte, wodurch die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerikas anerkannt wurde. Am 25. Nov. 1783 wurde auch Neuyork, der letzte von den Engländern gehaltene Punkt im Gebiete der frei gewordenen Staaten, geräumt, und am 23. Dez. konnte Washington, der bereits am 2. Nov. seine Abschiedsadresse an die Armee erlassen hatte, dem Kongreß seine Resignation einreichen und nach seinem Privatsitze in Mount Vernon abreisen. Damit fand einer der eigentümlichsten, an Wechselfällen reichsten und folgenschwersten Kriege seinen formellen Abschluß. Der junge Freistaat befand sich am Ausgange desselben in einer nichts weniger als beneidenswerten Lage. Der lose Verband unter den einzelnen Staaten war durch die Opfer und Kosten des Kriegs gerade nicht befestigt worden, und das Lokalinteresse machte sich in starker Weise geltend, um den Verband noch mehr zu lockern. Die verhältnismäßig sehr bedeutende Kriegsschuld und die Notwendigkeit größerer Anstrengungen, um den ganz daniederliegenden Wohlstand zu heben, gegenüber einem vollständigen Mangel an Kredit, zwang aber die Staaten, eine Befestigung des schwachen Centralverbandes herbeizuführen, den man provisorisch mit den Konföderationsartikeln vom 15. Nov. 1777 begründet hatte. Ein Konvent einsichtiger Delegaten mehrerer Staaten in Annapolis, Sept. 1786, schlug dem Kongreß die Berufung eines Verfassungskonvents vor, und wirklich traten, nachdem der Kongreß 21. Febr. 1787 seine Zustimmung erteilt hatte, die Delegaten aller Staaten (bis auf Rhode-Island) am 25. Mai in Philadelphia zusammen, um eine Verfassung des Bundes zu bebeschließen. Washington wurde zum Vorsitzenden gewählt. Nach mühevollen Beratungen, bei denen die wichtigsten Streitpunkte unter dem Zwange der allgemeinen Notlage durch Kompromisse beigelegt wurden, kam endlich 17. Sept. jene Konstitutionzur Annahme, die noch gegenwärtig als das Werk der „Väter der Republiks in Geltung und hohem Ansehen ist. Der Kongreß acceptierte am 28. Sept. die Verfassung und übersendete sie, gemäß den Bestimmungen derselben, den einzelnen Staaten zur Annahme. Am 13. Sept. 1788 konnte der Kongreß bereits konstatieren, daß die Verfassung, weil von mehr als der vorgeschriebenen Anzahl von Staaten angenommen, in Rechtskraft erwachsen sei, und schritt zur Ausführung derselben durch Anordnung von Wahlen, besonders des zum Staatsoberhaupte bestimmten Präsidenten. George Washington wurde einstimmig (von 69 Elektoren) zum Präsidenten, John Adams mit Stimmenmehrheit zum Vizepräsidenten erwählt, und damit begann eine neue Periode im Leben der nun erst eigentlich begrundeten I Staaten von Amerikas. III. Die Periode des Gleichgewichts in der Union (bis 1829). Washingtons Administration, welche zwei Präsidentschaftstermine umfaßte (1789 bis 1797), war deshalb von außerordentlicher Bedeutung, weil sie die schwierige Aufgabe, einer bloß auf dem Papier stehenden Verfassung praktische Lebenskraft und Bestand zu verleihen, in hervorragend glücklicher Weise loste und gleichzeitig in die höchst verworrenen finanziellen